
Liebe Leserinnen und Leser,
Herzlichen Willkommen zum Gottesdienst am Erntedankfest. Es ist ein Sonntag der großen Freude, denn wir schauen auf all das, was uns dankbar werden lässt.
Hier auf dem Altar wird symbolisch sichtbar, worum es geht: Um Brot und Wein, also um alles das, was wir zum Essen und zum Trinken haben. Brot und Wein steht aber auch für das, was uns Gott in Jesus Christus gegeben hat. Seine Nähe, Orientierung, Vergebung und immer wieder Hoffnung.
Erntedankfest – was bedeutet uns das hier in einer Großstadt? Ich denke, viel, denn es geht um all das, was unser Körper zum Leben braucht. Manchmal haben auch wir einen Garten oder einen kleinen Balkon und können sehen, wie etwas wächst. Meistens sind es Blumen und ist es Rasen…mehr und mehr holen wir uns aber auch wieder Gemüse und Obst in den Garten: Tomaten und Zucchini…oder Paprika auf dem Balkon. Denn es ist schön anzusehen, wie etwas wächst und es kommt Stolz auf, wenn die Tomaten gedeihen.
Erntedank bedeutet uns, dankbar zu sein:
Für das, was ich in den Händen halte. Für Kürbis und Segen. Für Brot und Liebe. Und dankbar sein im weiteren Sinne: Für alles Lebendige, was hervorbricht, um mich herum und in meinem Herzen.
Ich persönlich bin dankbar für eine längere Auszeit zur Reflektion und Erholung. Ich freue mich, wieder mit Ihnen zu sein. Feiern wir zusammen Gottesdienst. Halten wir Andacht. Loben und danken wir Gott für das Leben. Amen.
Lied
Nun danket all und bringet Ehr (EG 322)
1) Nun danket all und bringet Ehr,
ihr Menschen in der Welt,
dem, dessen Lob der Engel Heer
im Himmel stets vermeldt.
2) Ermuntert euch und singt mit Schall
Gott, unserm höchsten Gut,
der seine Wunder überall
und große Dinge tut;
3) der uns von Mutterleibe an
frisch und gesund erhält
und, wo kein Mensch uns helfen kann,
sich selbst zum Helfer stellt;
4) der, ob wir ihn gleich hoch betrübt,
doch bleibet gutes Muts,
die Straf erlässt, die Schuld vergibt
und tut uns alles Guts.
5) Er gebe uns ein fröhlich Herz,
erfrische Geist und Sinn
und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz
ins Meeres Tiefe hin.
Psalm 104
Lobe den HERRN, meine Seele!
HERR, mein Gott, wie groß bist du!
Frisches Quellwasser schickst du die Täler hinab.
In Bächen fließt es zwischen den Bergen dahin.
Alle Tiere auf dem freien Feld trinken daraus,
auch die Wildesel löschen dort ihren Durst.
Vögel des Himmels bauen Nester an ihren Ufern,
in den Zweigen trällern sie ihr Lied.
Aus den Wolken um deinen Palast
lässt du Regen auf die Berge niedergehen.
Wind und Wetter, die du gemacht hast,
schenken der Erde ihre Fruchtbarkeit.
Für das Vieh lässt du saftiges Gras wachsen
und Getreide für den Ackerbau des Menschen.
So wird Brot aus der Erde hervorgebracht
und Wein, der das Menschenherz erfreut.
So wird Salböl für ein strahlendes Gesicht bereitet
und Nahrung, die das Menschenherz stärkt.
Mensch und Tier halten Ausschau nach dir.
Du gibst ihnen Nahrung zur richtigen Zeit.
Du streust sie aus, sie sammeln auf.
Du öffnest deine Hand, sie essen sich satt an deinen guten Gaben.
Wendest du dich ab, erschrecken sie.
Nimmst du ihnen den Lebensatem,
dann sterben sie und werden zu Staub.
Schickst du deinen Lebensatem aus,
dann wird wieder neues Leben geboren.
So machst du das Gesicht der Erde neu.
Ich will den HERRN loben mein Leben lang!
Meinem Gott will ich singen, solange ich bin!
Gebet
Gott, wir leben in deiner Schöpfung. Sie ist so wunderbar und groß.
So bunt und vielfältig.
Da sind die Täler und die hohen Berge.
Der Adler fliegt über sie hinweg.
Da sind die bunten Wälder und die weiten Felder.
Spechte ziehen hier ihre Kreise.
Da sind das endlose blaue Meer und die unendliche Wüste.
dass du uns eine gute Welt zugedacht hast:
Ein schönes, weites Land,
ein Land, in dem Milch und Honig fließen.
Du gibst: Getreide, Obst, Gemüse, Blumen.
Unsere Tische sind voll an jedem Tag.
In dieses wunderbare Gemälde deiner Schöpfung mischen sich Bilder, die uns sorgen, ja ängstigen:
Sterbende Fische in vergifteten Flüssen und überhitzten Meeren.
Müllhalden in einst schöner Heimat
Von Verkehrswegen zerfurchte Landschaften
Guter Gott, ja, wir Menschen zerstören.
Du siehst unsere persönliche Teilhabe an der Zerstörung
und du siehst auch unsere Ratlosigkeit, unsere ganze Hilflosigkeit.
Gott, vergib uns. Darum bitten wir dich sehr.
Dann finden wir neuen Mut – zur Umkehr und zum Neuanfang.
Gott, erbarme Dich.
Zuspruch
Vertrauen wir auf das, was schon die Beter des Psalms geglaubt haben: Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. (Psalm 145,8)
Gebet
Guter Gott,
vor dir halten wir inne.
Wir sehen, was du uns jeden Tag gibst:
Den gedeckten Tisch,
das, was wir zum Leben brauchen.
Wir leiden keine Not.
Dafür danken wir dir.
Durch Jesus Christus unseren Bruder und Heiland der mit dir und dem Heiligen Geist regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Liebe Leserinnen und Leser, mit der Erzählung des heutigen Evangeliums werden wir daran erinnert, dass wenig genug sein kann.
Evangelium
Das Evangelium nach Markus Kapitel 8, Verse 1-9
Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem We-ge verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen? Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Sie hatten auch einige Fische; und er sprach den Segen darüber und ließ auch diese austeilen. Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Es waren aber etwa viertausend; und er ließ sie gehen.
Gedanken zum Sonntag
Liebe Gemeinde,
liebe Schwestern und Brüder,
I. Habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut
Lauter Segen heute. Früchte, Brot und Wein am Altar, bunte Tüten voller schöner Dinge… und wir alle sitzen hier im Erntedankgottesdienst, wieder einmal. Es ist geschmückt, so, wie es auch nur einmal im Jahr ist: Mit Blumen. Und mit Liebe.
Schön, dass wir hier sind, zum Erntedank in der Johann-Sebastian-Bach-Gemeinde. So können wir mit Worten der Bibel sagen: »Liebe Seele … habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut«. Jedes Jahr ein großes Erntedankfest und auch diesmal wieder. Ja, »liebe Seele, habe nun Ruhe«.
Ernte und Dank. Dank sei allen, die für unsere Nahrung arbeiten. Auf den Feldern, mit den großen Landmaschinen, Menschen, die sich Gedanken und Mühe machen, die arbeiten und ihr Bestes tun.
Und Dank sei Gott: Von dem kommt ja alles. Unsere Arbeitskraft. Und Sonne und Regen – zum Glück hatten wir in diesem Jahr ja etwas mehr Regen als im letzten. Gott ist gut und schenkt uns lauter Segen. Rundherum.
Es ist sehr schön so. So möchte man doch gern sitzen bleiben. Sorglos, mit dem Blick auf all das Schöne, mit der Gewissheit: Mir geht es gut!
Nachher wird der Gottesdienst zu Ende gehen, wir werden noch zusammen sein können, miteinander essen und etwas trinken, die Konfis backen Waffeln... Einige Stunden miteinander – wenn wir wollen. Wie schön das Leben sein kann! Könnte es nicht so bleiben? Können wir hier nicht einfach sitzen bleiben? Es nicht einfach immer so schön haben?
Nein, bleibt nicht sitzen. Schaut Euch nochmal alles an und freut Euch. Und dann geht los!
Die Gaben am Altar sind wunderschön. Wir könnten sie auch mitnehmen, aber sie würden nicht bleiben. Der Kürbis würde vielleicht aufgegessen oder verderben, den Weintrauben erginge es ebenso. Das Foto im Handy würde noch eine Weile da sein, aber dann werden sich neue Bilder darüberlegen. Letztendlich können wir nichts mitnehmen.
Darum: geht los! Darum geht weiter. Denkt nicht, das war`s schon. Hängt euch nicht daran. Denn: Es kommt noch etwas. Es kommt noch mehr. Viel mehr.
Noch viel mehr Leben. Noch viel mehr Zukunft. Und noch viel mehr Segen.
II. Dessen Feld hatte wohl getragen
In der Bibel, im Evangelium des Lukas, heißt es: »Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte wohl getragen.« Lauter Segen erlebte dieser Mensch. Rundherum. Die Felder waren fruchtbar. Gott hatte die Saat gedeihen lassen. Die Scheunen wurden zu klein, so reich war die Ernte.
»Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und er sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darein sammeln all mein Korn und meine Güter und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut!«
Er ist gesegnet, der Bauer. Und so reich, wie noch nie. Schön, oder? Es ist sehr schön, wenn jemand gesegnet ist, wenn wir gesegnet sind.
Dein Feld hat wohl getragen. Du hast einen Arbeitsplatz und eine sehr sinnvolle Aufgabe. Oder eine Rente, von der du leben kannst. Du hast ein Haus oder eine schöne Wohnung. Du hast zu essen und im Winter drehst du die Heizung auf.
Und wenn deine Scheunen zu klein werden, dann handelst du klug und baust größere.
Du bist gesegnet. Du hast so viel, dass du sogar teilen kannst. Und heute sitzt du, sitzen wir alle hier in der Kirche und sind dankbar und feiern bei Gott.
Bei Lukas in der Bibel geht es allerdings so weiter: »Aber Gott sprach zu dem Bauern: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wes wird’s sein, das du bereitet hast?«
Was ist das? Mitten hinein in die wohlverdiente Freude nun so ein Gottessatz – was bedeutet das? Freut sich Gott nicht mit? Die Gottesfreude scheint zu haken. Aber an welcher Stelle?
Ich denke, an dieser, wo der Bauer sagt: »Liebe Seele, habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut.« Hast vorgesorgt und dich gesichert – nun die Beine lang.
Gott will uns nicht die Freude nehmen; er freut sich wohl mit. Doch bitte keine Selbstgefälligkeit und vor allem bitte keine unberechtigte Selbstsicherheit. Ja. Tu das. Genieße, freue dich und halte eine Weile inne. Von Herzen gern. Aber dann geh weiter. Bleib nicht sitzen auf deinen vollen Scheunen. Arbeit, Betrieb, Erfolg, schönes Haus, kleines Glück… Genieße es. Habe Ruhe, iss und trink.
Aber mach es nicht wie der reiche Kornbauer. Der sitzt auf seinen Gütern fest. Und er denkt: Das ist alles. Das wars. Das reicht. Ich habe genug für morgen und übermorgen. Für viele Jahre und für immer.
Dabei konnte er auch nichts mitnehmen. Nicht ein Weizenkorn. Nicht eine einzige Traube. »Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wes wird’s sein, das du bereitet hast?«
III. Geh los
Macht es anders, wird uns gesagt. Geh los, liebe Seele. Und wenn du das tust, dann siehst du, was da noch alles ist. Es ist viel mehr da als deine vollen Scheunen. Mehr als die Gaben am Altar. Es gibt mehr als das, was du hast.
Geh los, liebe Seele. Dann siehst du auch die anderen. Die vielleicht deine Hilfe brauchen. Mit denen du teilen sollst. Oder mit denen du dich freuen kannst. Die dich brauchen. Und die du brauchst. Dann siehst du, was zu tun ist. Und was du sagen musst, damit diese Welt menschlich bleibt. Oder es wird.
Schau dich noch einmal um. Freu dich an dem, was da ist. Aber bleib nicht sitzen auf deinem Segen. Denk nicht, das war alles. Schön ist es. Aber mitnehmen kannst du es nicht. Darum: Geh los und sei gespannt, was noch kommt.
Genieße deine Felder und dein Leben, deine Zeit und allen Segen, den Gott dir gibt. Teile den Segen mit denen, die ihn auch brauchen. Und danke Gott, dass ihr gemeinsam gesegnet seid.
Du wirst staunen/wir alle werden staunen: Es gibt so viel mehr. Segen rundherum. Es gibt sogar mehr als unsere gesegnete Zeit. Denken wir nicht, die ist schon alles gewesen. Wir werden nichts von unserer Zeit mitnehmen können. Aber wenn wir zurücklassen, was wir nicht mitnehmen können, werden wir viel mehr finden. Größeres. Und das Schönste kommt ja überhaupt erst noch. Am Ende kommt sogar das ewige Leben.
Vergessen wir das nicht. Gehen wir los. Bleiben wir nicht sitzen. Machen wir uns auf. So geht Ernte-Dank.
Amen.
Der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Fürbitten
Wir leben, Gott, noch immer vom Reichtum der Natur,
von den Früchten des Feldes, Gemüse und Obst,
Eiern und Milch, dem frischen Wasser.
Wir danken dir für unser Leben und alles,
was es erhält, ernährt und erfreut.
Wir leben, Gott, von der Frucht unserer Hände,
dem Lohn unserer Arbeit, den Freuden des Gelingens,
der Ernte, die wir mit anderen einfahren dürfen.
Wir danken dir für unser Leben und alles,
was wir mit unseren Händen und deinem Segen tun.
Wir leben, Gott, gemeinsam auf dieser Erde,
teilen sie mit anderen Menschen, Tieren, Pflanzen,
die leben wollen, so wie wir es wollen.
Wir bitten dich für deine ganze Schöpfung
und lass in uns die Ehrfurcht vor dem Leben wachsen.
Wir leben, Gott, unter deinem Himmel,
wir schauen die Sonne, den Mond und die Sterne,
die riesigen Berge und das unermessliche Meer.
Wir bitten dich, schenke uns das Wissen um unsere Grenzen,
die Gnade der Demut und das Glück der Dankbarkeit.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt ihm und hofft auf ihn.
Vor Dich bringen wir, was uns persönlich bewegt.
Und mit Jesu Worten beten wir:
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.
Segen
Gott segne Dich und er behüte Dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden. Amen.
Lied
Verleih uns Frieden gnädiglich (EG 421)
Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.
Mit herzlichen Grüßen, Pfarrerin Brigitte Schöne
Teilen Sie mir gern Ihre Gedanken zum Gottesdienst oder Ihre Anregungen mit - ich freue mich:
Informationen
Am kommenden Sonntag, den 15.10.2023, feiern wir um 10 Uhr Gottesdienst mit Pfr. Martin Ost und Sabine Erdmann (Orgel).
Am 10. November wählt die Kreissynode eine neue Superintendentin für den Kirchenkreis Steglitz. Drei Kandidatinnen stehen zur Wahl, vorgeschlagen von einer Kommission unter Leitung von Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein. Die Kandidatinnen stellen sich jeweils mit einem Gottesdienst und anschließendem Kurzvortrag in der Martin-Luther-Kirche vor. Heute Nachmittag um 17 Uhr stellt sich Superintendentin Christa Olearius (Emden) vor.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises Steglitz.
Kollektensammlung
heute: Die Kollekte in den Reihen ist bestimmt für das Ev. Familienzentrum des Diakonischen Werkes Steglitz-Zehlendorf im Dahlemer Weg.
Außenkollekte sammeln wir für die Kirchenmusik in unserer Gemeinde.
Spendenkonto: IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
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Kennwort: Kollekte Erntedankfest