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Psalm, Lieder und Gebete von Pfarrerin Brigitte Schöne

 

Bild von Dimcho Panayotov auf Pixabay

 

Liebe Leserinnen und Leser, wir begrüßen Sie herzlich. Herzlich willkommen zum Gottesdienst Ihnen allen.

 

Liebe Gemeinde, heute feiern wir den 2. Sonntag in der Epiphaniaszeit.

Epiphanias – was bedeutet das? Das fragt nicht nur ihr Konfis…

Epiphanias ist eine Festzeit, die sich ganz eng noch an Weihnachten orientiert, an das Geburtsfest Jesu und also das Fest des Kommens Gottes in die Welt. Wir glauben:  Gott ist in Jesus Christus auf der Erde erschienen.

„Erscheinung“ – das ist die Übersetzung für das Wort „Epiphanias“.

Es ist gut, dass wir eine lange nachweihnachtliche Zeit haben. Es braucht mehrere Sonntage, um zu erfassen, was das für uns bedeutet: Gott ist erschienen- Gott ist da in dieser Welt – gestern und heute und er wird es auch morgen sein. Da ist das Bild des Sterns für diese Zeit. Wie ein Stern am Himmel kommt Gott in unser Leben, als Licht am Firmament unseres Lebens.

Gottes Erscheinen zeigt sich wie Licht in unserem Alltag. Im Wochenspruch heißt es selbstgewiss und fröhlich:

„Von deiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade“. Johannes 1,16

Suchen wir nach der Fülle, die wir von Gott haben. Heute Morgen und in der nun begonnen Woche. Amen.

Das Symbol für Epiphanias ist der Stern. Die Lieder dieser Zeit sind von diesem Bild geprägt. Sie werden das heute bei den Liedern, die wir singen werden, deutlich merken.

 

Lied

Wie schön leuchtet der Morgenstern (EG 70)

1) Wie schön leuchtet der Morgenstern,
voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn
uns herrlich aufgegangen (die süße Wurzel Jesse).
Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm,
mein König und mein Bräutigam,
du hältst mein Herz gefangen.
Lieblich, freundlich
schön und prächtig,
groß und mächtig,
reich an Gaben,
hoch und wunderbar erhaben.

2) Du meine Perl, du werte Kron,
wahr' Gottes und Marien Sohn,
ein König hochgeboren!
Mein Kleinod du, mein Preis und Ruhm,
dein ewig Evangelium,
das hab ich mir erkoren.
Herr, dich such ich.
Hosianna.
Himmlisch Manna,
das wir essen,
deiner kann ich nicht vergessen.

4) Von Gott kommt mir ein Freudenschein,
wenn du mich mit den Augen dein
gar freundlich tust anblicken.
Herr Jesu, du mein trautes Gut,
dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut
mich innerlich erquicken.
Nimm mich freundlich
in die Arme
und erbarme
dich in Gnaden.
Auf dein Wort komm ich geladen.

 

Auch der Psalm, das uralte Gebet unserer Vorväter und -mütter macht es so: Sich begeisternd erinnern an das Gute in Gott und diese Kraft in den Alltag holen: Wenn es euch grau erscheint dann erinnert euch an gewesenes und wie es gleich heißen wird: „fraget nach dem Herrn und seiner Macht“

 

Psalm 105

Danket dem Herrn und rufet an seinen Namen;
verkündigt sein Tun unter den Völkern!

Singet ihm und spielet ihm,
redet von allen seinen Wundern!

Rühmet seinen heiligen Namen;
es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen!

Fraget nach dem Herrn und nach seiner Macht,
suchet sein Antlitz allezeit!

Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat,
seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes,

du Geschlecht Abrahams, seines Knechts,
ihr Söhne Jakobs, seine Auserwählten!

Er ist der Herr, unser Gott,
er richtet in aller Welt.

Er gedenkt ewiglich an seinen Bund,
an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter.

 

Gebet

Gott, Dein Stern ist zum Zeichen geworden: den Hirten, dann den Weisen aus dem Morgenland. Dein Stern ging vor ihnen her und er geht auch vor uns. Deine Leuchtspur, Gott.

Sehen wir diese Leuchtspur? Gott, dich wollen wir sehen, damit wir glauben können.

Doch wie es in der Bibel heißt: Kein Mensch wird leben, der dich, Gott, sieht. Wir dürfen dir hinterhersehen, wenn du vorübergegangen bist und die Hand von unseren Augen genommen hast. Das reicht uns so oft nicht. Weil wir erst sehen wollen, ehe wir vertrauen. Und weil wir oft lieber der Sicherheit und dem Erfolg nachgehen, den uns die Welt verspricht, als deiner Lebensspur zu folgen. So bitten wir: Erbarme dich unser.

 

Zuspruch

Gott hat sich unser erbarmt.

Durch seinen Sohn Jesus Christus zeigt er uns den Weg, der zum Leben führt.

In ihm fängt Gott mit uns neu an und begegnet uns mit Gnade. Wahrhaftig und auf ewig.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Zeichen und Wunder – das wünschen wir Menschen uns. Jesus hat diesen Wunsch eher abgelehnt. Und dennoch gibt es in der Bibel die Geschichte, dass Jesus Wasser in Wein wandelt. Sollen wir das so glauben? Vielleicht begreifen wir die Geschichte heute am ehesten als ein Bild dafür, dass Jesus verwandeln kann. An den Menschen hat er dieses Wunder unzählige Male vollbracht, bis in unsere Tage.

Lesen wir das Evangelium für den heutigen Sonntag:

 

Evangelium

Johannes 2, 1-11

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

 

Lied

Du Morgenstern, du Licht vom Licht (EG 74)

1) Du Morgenstern, du Licht vom Licht,
das durch die Finsternisse bricht,
du gingst vor aller Zeiten Lauf
in unerschaffner Klarheit auf.

2) Du Lebensquell, wir danken dir,
auf dich, Lebend'ger, hoffen wir;
denn du durchdrangst des Todes Nacht,
hast Sieg und Leben uns gebracht.

3) Du ew'ge Wahrheit, Gottes Bild,
der du den Vater uns enthüllt,
du kamst herab ins Erdental
mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

4) Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht,
führ uns durch Finsternis zum Licht,
bleib auch am Abend dieser Welt
als Hilf und Hort uns zugesellt.

https://youtu.be/XwPulw86s04

 

Predigt

Liebe Leserinnen und Leser,

unverzichtbar als ein Begleiter durch die Gottesdienste der Epiphaniaszeit ist das Bild des Morgensterns. Der Morgenstern begleitet uns durch den Gottesdienst vor allem in den Liedern der Epiphaniaszeit. Gesungen haben wir vorhin „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Das Wochenlied beginnt mit den Worten „Du Morgenstern, du Licht vom Licht“   und nachher werden wir „Der Morgenstern ist aufgedrungen“ singen.

Der Morgenstern – haben sie ihn schon einmal bewusst am Himmel wahrgenommen?  Er strahlt in der späten Nacht kurz bevor am Morgen die Sonne aufgeht. Mal ist es die Venus, die zum Morgenstern wird, mal Merkur, mal Jupiter – je nach Stellung zur Sonne. In der Antike nannte man den Stern den „Bringer der Morgendämmerung“.

In der christlichen Tradition hat der Morgenstern als Bild, als Symbol einen festen Platz eingenommen. Und gemeint damit ist immer Jesus Christus. In den Liedern ist der Morgenstern immer ein Bild für Christus. Christus ist wie der Morgenstern. Bevor Gott selbst – das große Licht- kommt. Bevor die Welt so sein wird, wie Gott es will, dereinst, ist Christus in der Welt. Christus ist der Morgenstern bevor dann bald die Sonne aufgeht, bevor Gott selbst seine Welt, sein Reich errichtet.

Epiphanias heißt Erscheinung und spricht von Gottes Erscheinen in der Welt. Gott ist erschienen – in Jesus Christus. Gott ist da in dieser Welt – gestern und heute und er wird es auch morgen sein. Wie ein Stern am Himmel kommt Gott mit Jesus Christus in unser Leben, als Licht am Firmament unseres Lebens.

Nun könnten wir miteinander auf die Suche gehen nach dem Sternenleuchten in unserem Alltag, in unserem Leben, in unserer Stadt, ja in unserer Welt. Mit einem positiven und optimistischen Blick werden wir fündig. Ich habe das mal versucht und folgendes entdeckt:

Ich sehe dieses Sternenleuchten, weil jemand daherkommt, mehrere hundert Euro auf den Tisch legt und sagt, dafür soll jemand an der Jugendsommerfahrt teilnehmen können. Einander völlig fremde Personen – sie sahen einander nie und werden es wohl auch nicht -sind in einem goldenen Faden verbunden. Bedingungslos.

Ich sehe dieses Sternenleuchten, denn die Zählung der Wintervögel, die der Naturschutzbund Deutschland seit über 15 Jahren vornimmt, wird von immer mehr Menschen unterstützt. Der Blick für die Natur wird schärfer. Noch gibt es natürlich keine Auswertung, aber klar ist: Es gibt wohl Einbußen in der Population mancher Vögel, aber eben doch kein drohendes Aussterben. Manche Art hat sich sichtbar erholt.

Und dann nicht zu vergessen bei uns vor Ort: in allen Anstrengungen in der ersten Januarwoche, als hier im Südwesten alles dunkel war und kalt… da sahen wir Sternenleuchten. Wir stellen fest: Unsere Stadt hat Strukturen, um zu meistern, was gemeistert werden muss. An ihnen kann und muss gearbeitet werden, aber sie sind da. Und dazu haben wir eine Zivilgesellschaft voller engagierter Einzelpersonen und Vereine und – ja eben auch – Kirchengemeinden.

Das sind doch alles Morgensterne. Das sind doch Lichter am Firmament, klein und nicht ins Auge springend, aber doch da. Wer sucht, findet!

Wir haben allen Grund, Epiphanias zu feiern. Wenn der Wochenspruch sagt: „Von deiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade“. Joh. 1,16, - dann mag uns das manchmal ein bisschen übertrieben sein, aber Sternenlichter, ja die entdecken wir doch! Wir festigen uns dann und werden zuversichtlicher, denn Gott ist mit seinem Sohn in die Welt gekommen, um Zuversicht und Licht zu verbreiten. Um uns wissen zu lassen: Gott meint es gut mit uns, ist voller Liebe für uns. Möchte gute Zukunft für uns.

An diesem Sonntag aber – mitten hinein in die Zeit der Sternlichtersuche und –entdeckung ist uns ein bitterharter, verzagter, verzweifelter Predigttext aufgegeben. Sie wissen ja, die Predigttexte suche ich mir nicht aus. Die werden festgelegt. Und sie wurden gerade wieder neu festgelegt. Wenn sie ihn hören –gleich- werden sie ahnen, warum ich von einem bitterharten Predigttext spreche: Dieser Abschnitt aus der Bibel, vor 2500 Jahren entstanden, fasst in Worte, was auch wir erleben und sehen und wovor wir uns fürchten. Die biblischen Verse schreiben aus einer großen Notsituation heraus, einer nicht enden wollenden Dürre nämlich. Und der Verfasser fragt nach den Ursachen und der eigenen Verantwortung an der Situation, und er fragt nach Gott.

Lesen wir den Predigttext aus dem Buch des Propheten Jeremia: Jeremia 14, 1-9:

Dies ist das Wort, das der Herr zu Jeremia sagte über die große Dürre: Juda liegt jämmerlich da, seine Städte verschmachten. Sie sinken trauernd zu Boden, und Jerusalems Wehklage steigt empor. Die Großen (die Könige, die Vornehmen) schicken ihre Diener nach Wasser; aber wenn sie zum Brunnen kommen, finden sie kein Wasser und bringen ihre Gefäße leer zurück. Sie sind traurig und betrübt und verhüllen ihre Häupter. Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Darum sind die Ackerleute traurig und verhüllen ihre Häupter. Selbst die Hirschkühe, die auf dem Felde werfen, verlassen die Jungen, weil kein Gras wächst. Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen und schnappen nach Luft wie die Schakale; ihre Augen erlöschen, weil nichts Grünes wächst. Ach, Herr, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen! Denn unser Ungehorsam ist groß, womit wir wider dich gesündigt haben. Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer. Warum stellst du dich, als wärst du ein Fremdling im Lande und ein Wanderer, der nur über Nacht bleibt? Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Du bist ja doch unter uns, Herr, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

Ja, liebe Gemeinde, wer so klagt, kann sich mit dem Hinweis auf das Morgenlicht nicht mehr zufriedengeben. Wer so klagt, ist am Ende, ist voller Verzweiflung und Resignation. Und wohl auch voller Wut - auf sich selbst vielleicht, aber auch auf Gott. Warum tut Gott plötzlich so fremd und kümmert sich nicht? Erscheint nicht? Nicht mal als Hoffnungslicht am Firmament!

Die Lage ist verzweifelt. Die Armen sind die ersten, die die Not zu spüren bekommen. Wenn dann aber auch die Wohlhabenden und Reichen, die mit ihrem vielen Geld doch immer noch bekommen können, was sie brauchen, keinen Erfolg mehr haben, dann ist nicht mehr zu leugnen: Menschen befinden sich in einer Katastrophe. Die Ressourcen sind aufgebraucht, es ist Not. Hier bei Jeremia ist es eine unerträgliche Dürre. Sie betrifft Mensch und Tier, arm und reich, Land und Stadt. Die Schilderung im biblischen Text ist drastisch. Und wir können es uns vorstellen, weil auch unsere Zeit, weil die Menschen auf dem Planeten im 21. Jahrhundert diese Nöte zu gut kennen. Menschen auf unserem Planeten – an zu vielen Orten - können sich heute diese Verse zu ihren eigenen machen.

Im Buch des Propheten Jeremia geraten die Menschen in ein großes Klagen: Sie klagen sich selbst an. Ja, sie haben so vieles falsch gemacht. Sie waren ignorant, sie waren egoistisch, ungerecht… sie waren weit entfernt von dem, was Gott von ihnen erwartet. Sie haben gesündigt.

Wir empfinden das heute auch so angesichts der scheinbar unaufhaltsamen Veränderungen des Klimas. Wir wissen um unser Fehlverhalten seit Generationen. Wir wissen, dass wir hätten tun können oder noch würden tun können – und finden uns nationenweit wieder in Apathie und Ratlosigkeit.

Ja, die Menschheit - wir - sündigen wider Gott und sein Schöpfungswerk und wider seine Liebe zu uns. Ja, wir versündigen uns gegen uns selbst und gegen die Zukunft unserer Kinder. Ja, auch wir fühlen uns schuldig. Doch bei Jeremia blieben die Klagenden nicht bei sich selber stehen, sondern sie bitten Gott: „So hilf doch!“, „so hilf doch um deines Namens willen!“ Sie erinnern Gott an sein Versprechen: Du sagtest doch, du seist Tröster und Helfer…

Warum aber – so geht es dann weiter – warum lässt du uns hier allein? Wir erleben dich gar nicht als der, als der du dich uns zugesagt hast. Gott, was ist los? Es fühlt sich an, als wären du und wir plötzlich zueinander Fremde. Es fühlt sich so an, als würdest du dich irgendwie vor uns wegducken. Es erscheint uns, als wärst du gar nicht der Starke. Du wirkst wie eingeschüchtert, wie ein hilfloser Held…

Liebe Gemeinde, wie sehr können wir uns einreihen in das Klagen und bitten und die Verwunderung der hier redenden Menschen. Uns geht es selbst gut, doch ist uns ja nicht egal, wie es den Menschen anderenorts geht. In anderen Ländern und Regionen dieser Welt. Unsere Jugend erträgt es oft am wenigstens und spricht laut aus, was auszusprechen ist.

Es ist ein weiter Weg von diesem biblischen Text zum Thema dieses Epiphaniasgottesdienstes, in dem wir uns doch erinnern wollen, dass Gottes Herrlichkeit schon zu sehen ist… Ja, es ist ein weiter Weg. Wieder wird uns deutlich, dass Gott eben nicht verfügbar ist, wie wir es wollen. Wieder wird uns klar, dass wir Menschen so viel zerstören, verderben, zum Sterben bringen. Wieder wird uns aber auch deutlich: am Ende haben wir niemanden weiter als Gott, an den wir uns wenden können. Auf den wir noch hoffen können. Der noch und doch mächtig wäre, aus den Trümmern Gutes wachsen zu lassen.

Die Menschen vor 2500 Jahren redeten nicht nur noch mit sich selbst – angesichts des Elends. Nein, sie redeten immer noch mit Gott. Das ist wohl der Morgenstern, der uns aus diesen uralten biblischen Worten aufscheint: Sie redeten weiter mit Gott! Allem Widerständigen und allem Sperrigen zum Trotz suchten sie weiter nach Gott. Es geht darum, mit Gott im Gespräch zu bleiben. Und das heißt zunächst: Mit Gott rechnen und mit ihm rechten. Wir dürfen unserer Verzweiflung über Gottes Schweigen und dem Nicht-verstehen-können seiner Wege ebenso Raum geben wie dem Vertrauen auf die Treue Gottes und seine Verheißung.

Und Gott? Wird er uns ein Licht senden, das uns seiner Anwesenheit neu gewiss macht? Ich glaube, wir haben sie schon, diese Gewissheit, haben schon das so ersehnte Licht. Ein jüdischer Rabbiner, Rabbi Tarfon, er lebte im 2. Jh. nach Christus, hat es so formuliert: „Nicht liegt es an dir, das Werk zu vollenden, aber du bist auch nicht frei, von ihm abzulassen.“

Gott hat diese Welt geschaffen – er wird sie auch dahin führen, wo er sie haben will: ER wird sie vollenden. Ja, ER ist es, der dies tut. Aus seiner Schöpfungsmacht und der Liebe zu dieser seiner Schöpfung heraus können wir gewiss bleiben: Er gibt es nicht auf, das Werk seiner Hände. Weil er es liebt! „Beten und Tun des Gerechten“ – nennt es Dietrich Bonhoeffer. Mit Gott im Gespräch bleiben in guten und in schweren Tagen, bittend und klagend und hoffend. Und ebenso tätig bleiben. Selbst nicht aufgeben. Am Werk Gottes mitwirken.

Solche Werke sind wie Sterne am Himmel. Solche Taten sind Morgensterne vor dem Aufgehen der Sonne.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN

 

Musik

Ubi Caritas by Ola Gjeilo gesungen von VOCE8

https://youtu.be/B-50CeNelnA

Ubi caritas et amor Deus ibi est - Wo Liebe ist und Güte, da wohnt Gott.

 

Fürbitte

Du Quelle des Lebens,
du Licht vom Licht,
Jesus Christus,
Wir bitten dich:
Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht. (nach EG 74)

In deiner Gegenwart wird es hell.
Auf dein Licht hoffen wir
für die, die unter der Gewalt des Bösen leiden.
Um dein Licht bitten wir
für die Millionen in der Ukraine ohne Strom und Wärme,
für die, die aufbegehren und den Diktatoren die Stirn bieten,
für die Menschen, die sich dem Bösen in den Weg stellen
für die Verletzten und Verängstigten.
Jesus Christus,
du Licht vom Licht,
mache dich auf und komm.

In deiner Gegenwart werden wir heil.
Auf Heilung hoffen wir
für die, deren Leben voller Qual ist.
Um Heilung bitten wir
für die Kranken und alle, die sich um sie sorgen,
für die Enttäuschten und alle, die bereits aufgegeben haben,
für die Verzweifelten und alle, die mit ihnen ausharren,
für die Traurigen und Trauernden.

Jesus Christus,
du Licht vom Licht,
mache dich auf und komm.

In deiner Gegenwart atmen wir auf.
Auf neuen Atem hoffen wir
für die, die sich für andere verausgaben.
Um neuen Atem bitten wir
für die Erschöpften,
für die, die gegen Unrecht und Hunger ankämpfen,
für die, die an der Wahrheit festhalten,
die vermitteln und Brücken bauen,
für die Aufrechten und die alle, die dir treu sind.
Jesus Christus,
du Licht vom Licht,
mache dich auf und komm.

In deiner Gegenwart blüht die Hoffnung.
Durch deine Liebe leben wir.
Wir danken dir
für deine Nähe und dein Wort,
für die Wunder und das Heil,
für Wasser und Wein,
für alles, was wir sind und haben.
Wir danken dir
für alle, die unserem Herzen nahe sind
und die Gemeinschaft mit dir und untereinander.
Du Quelle des Lebens,
du Licht vom Licht,
Jesus Christus.
Wir bitten dich heute und alle Tage:
Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht. (nach EG 74)

In der Stille bringen wir vor Dich, was uns bewegt.

Mit Jesu Worten beten wir: Vater unser…

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir + Frieden. Amen.

 

Mit herzlichen Grüßen, Ihre Pfarrerin Brigitte Schöne

Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu diesem Gottesdienst haben, dürfen Sie uns gerne schreiben: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

 

Informationen

Herzliche Einladung zum Barockkonzert unter dem Titel „Echo aus dem Süden“ um 15 Uhr in unserer Kirche. Musizierende sind unsere Kirchenmusikerin Sabine Erdmann (Cembalo), Catherine Aglibut (Violine) und Heidi Gröger (Viola da Gamba). Freuen Sie sich auf einen Nachmittag voller barocker Eleganz und Lebensfreude – ein stimmungsvoller Auftakt in das neue Jahr.

Am Sonnabend, 24.1. um 11 Uhr feiern wir wieder ein Tauffest in unsere Gemeinde.

Den Gottesdienst am nächsten Sonntag, 25.1.2026, feiern wir mit Pfarrerin Brigitte Schöne und Dorina Adelsberger (Orgel).

 

Kollektensammlung

Die heutige Kollekte wird für den Evangelische Jugendhilfe Verein e.V. im Kirchenkreis Steglitz gesammelt und für sozialdiakonische Zwecke in unserer Kirchengemeinde (z.B. bei Situationen wie dem Stromausfall).

Spendenkonto:
Ev. Kirchenkreisverband Berlin Süd-West
IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: Kollekte 18.01.2026 (und gewünschter Verwendungszweck)

Wir leiten Ihre Kollekte ggf. weiter! Gern senden wir auch eine Spendenbescheinigung zu.