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Predigt zur Konfirmation 2026

„Die beiden Perlen der Liebe“

 

„Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt,

bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“

1. Johannes 4,16b

 

1.   Was für ein besonderer Tag

Liebe Jugendliche!

Zu diesem besonderen Tag heute nun ein paar Gedanken. 

Und weil es hilft, sich beim Denken an etwas festzuhalten, habe ich heute etwas mitgebracht. 

Ich halte heute zwei Perlen in der Hand.
Zwei kleine rote Perlen.

Diese beiden roten Perlen sollen für etwas stehen,
das ihr im Leben immer brauchen werdet.

Mehr als Erfolg.
Mehr als Likes.
Mehr als alles, was ihr besitzen könnt.

Sie stehen für die Liebe.

 

2.   Die Perle - ein Bild für euren Weg

Habt ihr gewusst?
Perlen entstehen nicht einfach so.
Sie wachsen.
In einer Muschel.
Ganz langsam.
Schicht für Schicht. Es dauert.

Ähnlich wie bei euch.
Ihr seid in den vergangenen neun Monaten gewachsen.

Nicht nur sichtbar größer geworden.
Sondern vielmehr gewachsen an Erfahrungen.
An Begegnungen.
An Menschen, die euch begleitet haben.

Vielleicht auch
an mancher Enttäuschung.

Und wenn ich euch heute anschaue,
hier vorne im Kreis -
dann bin ich zuversichtlich: Ihr habt manche Freundschaft gegründet, ihr habt aber auch diese Kirchengemeinde kennengelernt und wisst: Es ist ein Ort, wo Menschen sind, wo etwas los sein kann, wo man gestalten und richtig zuhause sein kann… 

Ihr konntet erleben: Ihr seid nicht alleine.

Ja, Ihr seid verbunden.

Manchmal mit anderen Konfis, auf jeden Fall aber mit euren Familien,
mit euren Freundinnen und Freunden.
Mit euren Patinnen und Paten.

Und – und daran kann eine Kirchengemeinde und ihre Menschen immer wieder erinnern: 

Ihr seid auch verbunden mit Gott.

Nun geht Euer Weg weiter.

In eure Zukunft.

In eine, die ganz anders aussieht als die eurer Eltern.

In eine Welt, die digital ist. 
Schnell. Vernetzt.

Und genau darum ist es so wichtig, 
verbunden zu bleiben.

Mit Menschen. Und mit Gott. 

 

3. Liebe braucht zwei

Und darum
sind es zwei Perlen, die ich hier in der Hand halte.

Weil Liebe immer zwei braucht.
Ein Gegenüber.

Dafür stehen diese beiden Perlen. Wir können sie „Perlen der Liebe“ nennen.

Liebe – ihr kennt das Gefühl, 
wenn das Herz schneller schlägt, 
weil jemand den Raum betritt.

Wenn man plötzlich merkt 
dass man lächelt, ohne zu wissen warum. 

Dann geht es wohl um Liebe.

Liebe ist keine Kleinigkeit. 
Sie ist eine der mächtigsten Kräfte, die es gibt. 
Sie kann Menschen verändern. 
Sie kann Feinde zu Freunden machen.

Liebe ist mehr als Schmetterlinge im Bauch. 
Sie ist auch das, was einen aufstehen lässt, 
wenn jemand in Not ist.

Das Mitgefühl, das uns bewegt, 
wenn ein anderer Mensch leidet. 

Die Liebe, die einem sagt:
„Das geht mich etwas an.“ …

Die Bibel sagt: Gott ist Liebe. 
Nicht: Gott hat Liebe. 
Nicht: Gott mag Liebe.

Sondern: Gott ist Liebe.

Sie ist sein Wesen, 
sein Erkennungszeichen.

Für Gott gilt auch: 
Liebe bleibt nie allein.

Darum sind es zwei Perlen.

Eine davon steht für Gott. 
Die andere sind wir, ich, du und du und du und Sie…

 

4.   Zwei Perlen: Gott und Du

Gott ist Liebe.

Das heißt:
Wo Liebe geschieht,
da ist Gott nicht fern.

Wenn jemand uns tröstet,
wenn jemand uns zuhört,
wenn jemand bei uns bleibt,
obwohl es schwer wird -
dann ist da etwas von Gottes Liebe.

Und auch umgekehrt:

Wenn wir für jemanden da sind,
wenn wir Mut machen,
wenn wir nicht weggehen,
sondern bleiben -
dann wirkt Gottes Liebe durch uns.

So hat es auch Jesus gelebt.
Er hat Menschen gesehen.
Er hat sie nicht allein gelassen.

Und genau das verspricht Gott uns. Und heute ganz besonders euch:

Ich bleibe bei dir.
Heute.
Auch morgen, wenn euer großes Fest vorbei ist.
An allen Tagen, die kommen.

Du bist verbunden.
Mit Gott.

Wie zwei Perlen,
die zusammengehören.

 

5.   Ich und Du – Menschen brauchen ein Gegenüber

Diese beiden Perlen stehen aber nun nicht nur
für Gott und uns im Einzelnen.

Sie stehen auch für mich
und jemand anderes. Für dich und jemand anderes.

Wir leben ja nicht alleine auf der Welt.
Wir haben immer ein Gegenüber.

Jemand,
mit dem wir reden können.

Nicht nur schreiben.
Nicht nur posten.
Sondern reden.

Jemand hat mir von einem Rap erzählt. Vielleicht kennt ihr das – ich musste erst ins Internet gehen – Es ist von den beiden Deutsch-Rappern Zah1de und benno.

Darin kommt immer wieder
ein einziges Wort vor:

„Rede!“

Zah1de singt zu Benno: „Benno, Rede. Rede. Rede.“
Immer wieder.

Mir gefällt das gut. Ich finde es sooo wichtig.

Und deshalb haben wir das in der Konfizeit immer wieder gemacht.

Geredet
Nachgefragt.
Am Schluss des Konfi-Samstag, bei unserem Blitzlicht: „Wie war der Tag für dich ? – 5 Stimmen bitte.“

Es ist nicht so leicht, so zu reden.

Manche von Euch wollen Teamer werden. Das ist großartig. 

Ihr sagt damit auch:
Ich will auf andere zugehen.
Ich will reden.
Ich will für andere da sein.

Ich will mit Gott reden, mit Gott sein.

Das alles braucht Mut. Den Mut,
auf jemanden zuzugehen.

Auch auf Gott zugehen,
mit ihm reden, beten,
ihm Sachen hinwerfen, die wir nicht verstehen.

Sonst verlieren wir den Kontakt.

Manchmal gelingt das gut.
Manchmal aber auch nicht.

Sicher können wir aber sein: Gott verliert nie den Kontakt zu uns. Wir können immer daran anknüpfen.

 

7.    Konfirmation - Mit Gottes Segen in die Zukunft gehen.

Darum geht es heute:

Mit Gottes Segen
in die Zukunft gehen.

Und uns älteren ist klar: Ihr seid die Macher von morgen.

Wie wird die Zukunft sein?

Wird eure Zukunft digital sein?
Ja - ganz sicher.

Wird sie schnell sein?
Ja - wahrscheinlich schneller als alles bisher.

Aber ich frage mich auch:

Wird sie nur digital sein?
Werden wir zukünftig nur noch posten - oder auch reden?
Nur liken - oder auch was sagen und auch zuhören?

Manchmal denke ich:

Künstliche Intelligenz
kann heute schon viel.

Sie kann Texte schreiben.
Bilder erstellen.

KI kann sogar Lieder schreiben.

Aber eines kann sie nicht:

Sie wird mein Lieblingslied nie fühlen.

Sie wird nie Gänsehaut bekommen.
Nie mitlachen.
Nie mitweinen.

Deshalb glaube ich: Wir Menschen sind unersetzlich.

Wir sind eben Gottes Schöpfung.

Denn das,
was uns am Ende ausmacht,
kann keine Maschine ersetzen:

Zusammenhalt. Empathie. Gefühle.

Freude. Liebe. Zärtlichkeit.

Aber auch: Einsamkeit. Enttäuschung.

Alles,
was uns zu Menschen macht.

Und genau das
nehmt ihr mit in eure Zukunft.

Euer Herz.

Menschen an eurer Seite.
Und Gott an eurer Seite.

 

8.    Sendung: Mach dich auf deinen Weg auf

Diese beiden roten Perlen sind klein.

Und doch erzählen sie eine große Geschichte.

Eine Geschichte von Verbindung.

Von Gott und dir.
Und von dir und anderen Menschen.

Von Liebe, die wächst.
Von Liebe, die verbindet.
Und von Liebe, die euch in die Zukunft begleitet.

Darum lege ich diese beiden Perlen
jetzt in diese Schale. 

Und darum bekommt ihr sie alle jetzt gleich.

Als Erinnerung und als Zeichen dafür:

Ihr seid verbunden. 

Mit Menschen, die euch begleiten.
Und mit Gott, der euch liebt.

Der spricht:

Ich bin bei dir. 
Heute. Und morgen.
Und an allen Tagen. Amen.

Mit herzlichen Grüßen,

Eure Pfarrerin Brigitte Schöne

 

Berlin, den 27. Juni 2026