Psalm, Lieder, Gebete und Predigt von Pfarrer Oliver Matri

Biblischer Vers für die Woche:
„Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es."
Epheser 2,8
Liebe Leserinnen und Leser,
Herzlich willkommen zu dieser Andacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis. Ich grüße Sie und Euch mit dem Wochenspruch aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es."
Der Glaube ist das Thema dieses Sonntags. Wem oder was schenken wir Glauben: den Frevlern, wie der Wochenpsalm sie nennt, denen, die aufstacheln und empören wollen? Oder vertrauen wir der Stimme Gottes, die uns ruft, ins Tiefe hinaus, wie wir es im Evangelium hören werden?
Lied
Er weckt mich alle Morgen (EG 452,1.2.4)
1) Er weckt mich alle Morgen,
Er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen,
führt mir den Tag empor,
dass ich mit Seinem Worte
begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte
ist Er mir nah und spricht.
2) Er spricht wie an dem Tage,
da Er die Welt erschuf.
Da schweigen Angst und Klage;
nichts gilt mehr als Sein Ruf.
Das Wort der ewgen Treue,
die Gott uns Menschen schwört,
erfahre ich aufs neue
so, wie ein Jünger hört.
4) Er ist mir täglich nahe
und spricht mich selbst gerecht.
Was ich von Ihm empfahe,
gibt sonst kein Herr dem Knecht.
Wie wohl hat's hier der Sklave,
der Herr hält sich bereit,
dass Er ihn aus dem Schlafe
zu seinem Dienst geleit.
Psalm 73
Gott nahe zu sein, ist gut für mich. EIN PSALM, VON ASAF. (1-3, 8-10, 23-26)
Gott ist gut zu Israel,
zu denen, die ein reines Herz haben!
Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen.
Um ein Haar hätte ich den Halt verloren.
Denn ich war neidisch auf die Angeber,
als ich sah, wie gut es den Frevlern ging.
Sie spotten und reden in böser Absicht daher,
verdrehen die Worte und schüchtern ein.
Sie reißen den Mund auf bis zum Himmel
und lassen auf der Erde ihrer Zunge freien Lauf.
Darum wendet sich das Volk ihnen zu,
von ihren Reden bekommt es nicht genug.
Trotzdem bleibe ich immer bei dir.
Du hast mich an die Hand genommen.
Du führst mich nach deinem Plan.
Und wenn mein Leben zu Ende geht,
nimmst du mich in deine Herrlichkeit auf.
Wen habe ich denn im Himmel?
Bei dir zu sein, ist alles,
was ich mir auf der Erde wünsche.
Auch wenn mein Leib und mein Leben vergehen,
bleibst du, Gott, trotz allem mein Fels
und mein Erbteil für immer!
Gebet
Bitten wir Gott um sein Erbarmen.
Herr Jesus Christus,
du kommst uns nahe,
oft anders, als wir es erwarten.
Du sprichst zu uns,
doch wir sind mit unseren eigenen Gedanken beschäftigt.
Wir hören deine Stimme nicht immer.
Du kennst unser Herz.
Du weißt, wie gern wir festhalten,
was uns Sicherheit gibt.
Du kennst unsere Zweifel
und unseren kleinen Glauben.
Du hörst nicht auf, uns einzuladen.
Du schenkst Vertrauen,
wo unsere Kraft nicht ausreicht.
Du bleibst an unserer Seite,
auch wenn wir uns fürchten.
Herr, erbarme dich.
Amen.
Gnadenzuspruch
So spricht der Herr:
Fürchte dich nicht.
Ich kenne dich.
Ich weiß um deine Fragen und Zweifel,
um deine Sehnsucht und deinen kleinen Glauben.
Ich wende mich dir zu,
nicht weil dein Vertrauen groß ist,
sondern weil meine Liebe größer ist.
Ich lasse dich nicht allein.
Ich gehe mit dir,
stärke dich und richte dich auf.
Darum dürfen wir gewiss sein:
Gott schenkt uns seine Gnade.
Er vergibt uns unsere Schuld,
erneuert unser Vertrauen
und öffnet unser Herz für sein Wort.
Gebet
Gott,
du kennst unser Leben.
Du kennst unsere Freude und unsere Enttäuschungen,
unsere Hoffnungen und das, was wir längst aufgegeben haben.
Manches tragen wir mit Zuversicht,
manches nur mit Mühe.
Oft verlassen wir uns auf das,
was wir überblicken und verstehen.
Doch du siehst weiter als wir.
Schenke uns ein hörendes Herz,
das deinem Wort vertraut.
Stärke in uns den Glauben,
der sich nicht auf Sicherheiten gründet,
sondern auf deine Treue.
Öffne uns für das,
was du uns heute sagen willst.
Lass uns dir begegnen,
damit unser Vertrauen wächst
und wir in deiner Gegenwart Frieden finden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.
Evangelium
Johannes 5,1-11 (Übersetzung: BasisBibel)
Einmal drängte sich die Volksmenge um Jesus
und wollte hören, wie er Gottes Wort verkündete.
Jesus stand am See Gennesaret.
Da sah er zwei Boote am Ufer liegen.
Die Fischer waren ausgestiegen und reinigten die Netze.
Jesus stieg in das Boot, das Simon gehörte.
Er bat Simon, ein Stück vom Ufer wegzufahren.
Dann setzte er sich
und lehrte die Leute vom Boot aus.
Als Jesus seine Rede beendet hatte,
sagte er zu Simon: „Fahre hinaus in tieferes Wasser!
Dort sollt ihr eure Netze zum Fang auswerfen."
Simon antwortete:
„Meister, wir haben die ganze Nacht hart gearbeitet
und nichts gefangen.
Aber weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen."
Simon und seine Leute warfen die Netze aus.
Sie fingen so viele Fische,
dass ihre Netze zu reißen drohten.
Sie winkten die Fischer im anderen Boot herbei.
Sie sollten kommen und ihnen helfen.
Zusammen beluden sie beide Boote,
bis sie fast untergingen.
Als Simon Petrus das sah,
fiel er vor Jesus auf die Knie und sagte:
„Herr, geh fort von mir!
Ich bin ein Mensch, der voller Schuld ist!"
Denn er und die anderen, die dabei waren,
waren sehr erschrocken.
So riesig war der Fang, den sie gemacht hatten.
Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus,
erging es ebenso.
Die beiden arbeiteten eng mit Simon zusammen.
Jesus sagte zu Simon: „Hab keine Angst!
Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein!"
Da zogen sie die Boote an Land,
ließen alles zurück und folgten ihm.
Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.
Lied
Jesus, der zu den Fischern lief (EG 313,1-3)
Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und kann deshalb hier leider nicht wiedergegeben werden.
Predigt
Dass Jesus in mein Lebens-Boot eingestiegen ist, habe ich am Schaukeln gemerkt.
Ich musste mich richtig festhalten. Eigentlich hatte ich nur in flachen Gewässern schippern wollen. Aber Jesus sagte: „Fahr hinaus, dahin, wo es tief ist. Du musst es nicht allein machen. Ich sitze mit im Boot.“
Die seichten Gewässer zu verlassen, hat mich Überwindung gekostet.
Tausend vernünftige Gründe sprachen dagegen. Die flachen Gewässer bin ich gewohnt. Dort ist es einfacher, zu navigieren: Das vertraute Ufer ist immer nah. Ich kenne mich aus - kann routiniert handeln, mich auf meine Erfahrung stützen. Es ist bequem. Mir geht es doch ganz gut hier – warum Experimente machen?
Im flachen Wasser zu bleiben, ist auch weniger riskant: Falls das Boot mal kentert, kann ich dort stehen. Bin auf keine Hilfe angewiesen, um es wieder umzudrehen und alles in Ordnung zu bringen. Ich fühle mich sicher hier.
Wenn ich dagegen ins tiefe Wasser hinausfahre, weiß ich nicht, was dort geschehen wird. Ich habe es nicht in der Hand, habe weniger Kontrolle. Alles ist ungewohnt. Ich muss dem vertrauen, der mich dort hinruft. Der mich führt. Der mich vielleicht überrascht. Und manche Menschen, die mir nahe sind, werden vielleicht nicht verstehen, was ich da tue.
Ach ja, und noch etwas: Ich bin doch in der Vergangenheit schon hinausgefahren, habe Zeit und Kraft und Vertrauen aufgewendet, habe alles versucht – und wurde enttäuscht. Bin leer ausgegangen. Es hatte sich nicht gelohnt. Gespräche haben nichts geändert. Gebete sind scheinbar unbeantwortet geblieben. Anstrengung hat wenig Frucht getragen. Abschiede haben weh getan. Ich habe mich daran gewöhnt, mit leeren Netzen zu leben.
Viele Gute Gründe, im flachen Wasser zu bleiben.
Aber ich bin das Wagnis eingegangen. Schließlich war ich nicht allein. Und der, der in mein Boot eingestiegen war, der mich rief und der mit mir hinausfahren wollte, den nannte ich „Meister“. Einen weisen, guten Lehrer sah ich in ihm. Sein Wort hatte für mich Gewicht. Ich vertraute ihm.
Und so habe ich auf ihn gehört und bin hinausgefahren. Langsam. Zögernd. Mit Fragen im Herzen. Das Wasser wurde tiefer – das Vertraute blieb zurück. Ich spürte, wie wenig ich festhalten konnte.
Und merkwürdig: Gerade dort, wo ich den Boden nicht mehr wahrnehme, wird seine Gegenwart deutlicher. Nicht laut oder spektakulär, aber tragend. Das tiefe Wasser – vorher war es mir gefährlich erschienen. Jetzt merkte ich: Es ist ein Ort der Begegnung.
Ich habe das Netz ausgeworfen, dort, wo es tief ist.
Und dann musste ich ordentlich ziehen.
Etwas Schwerwiegendes war im Netz.
Ich erschrak … über die Tiefe und mich selbst. Plötzlich wurde mir klar, wer der ist, der mich hierher gerufen hatte. Der mir diesen Fang beschert hatte. Ich sah auf einmal, wie groß, ja unendlich, wie unglaublich gut er ist. Welche Möglichkeiten er hat. Dass er – göttlich ist. Und im gleichen Moment sah ich, wie wenig ich ihm gerecht wurde – wie viel mich von ihm trennte. Wie klein meine vermeintlich guten Gründe gewesen waren, im flachen Wasser zu bleiben. Wie eng meine Grenzen geworden waren.
Ich fiel auf die Knie, mitten im Boot – und stammelte: Meister – nein, Herr, du mein Gott, geh fort von mir! Ich bin deiner nicht würdig! Ich bin ein Mensch, der voller Schuld ist!“
Aber Jesus ging nicht weg. Er verurteilte mich nicht. Er schaute mich freundlich und voll Vertrauen an und sagte nur: „Fürchte dich nicht.“
Und dann lud er mich ein, mit ihm unterwegs zu sein, ihm zu folgen. Ohne Druck, ohne Drohung – nur mit seiner Gegenwart. Er lud mich ein, das tiefe Wasser mit ihm zu befahren. Öfter mit ihm zu sprechen. Mehr wahrzunehmen, welch guten „Fang“ er mir beschert, und dafür dankbar zu sein. Vielleicht Versöhnung zu suchen und zu finden, Versöhnung mit mir selbst und mit den anderen Menschen, die mit mir im selben Boot sitzen. Und vielleicht auch anderen davon zu erzählen, was ich auf diesem Weg erlebt habe.
„Auf dein Wort hin fahre ich hinaus. Weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen.“
Wenn Sie möchten, lade ich Sie ein, sich einige Minuten Zeit zu nehmen, um über diese Dinge nachzusinnen und zu beten:
Was ist für mich das tiefe Wasser im Leben? Wo lädt Jesus mich ein, mit ihm diese Tiefe zu befahren? Wo lädt Gott mich ein, einen Schritt im Glauben zu tun – einen Schritt weiter zu gehen im Vertrauen? Vielleicht neue Wege zu beschreiten, auf die Gott mich ruft, auf denen Gott mich begleitet? Vielleicht, mich den offenen Fragen zu stellen?
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
Lied
Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen (EG 320,1.4.5)
1) Nun lasst uns Gott dem Herren
Dank sagen und ihn ehren
für alle seine Gaben,
die wir empfangen haben.
4) Ein Arzt ist uns gegeben,
der selber ist das Leben;
Christus, für uns gestorben,
der hat das Heil erworben.
5) Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl
dient wider alles Unheil;
der Heilig Geist im Glauben
lehrt uns darauf vertrauen.
Fürbittengebet
Treuer Gott,
wir bitten dich für deine Kirche und für alle, die dein Evangelium weitersagen:
Schenke ihnen ein hörendes Herz und den Mut, deinem Wort zu vertrauen. Lass sie Menschen Hoffnung und Zuversicht vermitteln.
Wir bitten dich für alle, die an Grenzen geraten sind:
für alle, die enttäuscht wurden, die Angst vor Veränderungen haben oder sich vor einer ungewissen Zukunft fürchten.
Sei ihnen nahe und schenke ihnen Menschen, die sie begleiten und ermutigen.
Wir bitten dich für uns selbst:
Stärke unseren Glauben, wenn wir zweifeln.
Öffne unsere Herzen für deinen Ruf
und lass uns darauf vertrauen, dass du mit uns gehst – heute und an jedem neuen Tag.
In einem Moment der Stille bringen wir eigene Fürbitten vor dich:
Alles, was uns sonst noch bewegt,
legen wir in die Worte, die Jesus uns gelehrt hat:
Vater Unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Lied
Der Herr segne dich (Singt Jubilate 64, 1-2)
Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und kann deshalb hier leider nicht wiedergegeben werden.
Segen
Gott segne Dich und er behüte Dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden. Amen.
Mit herzlichen Grüßen, Pfarrer Oliver Matri
Teilen Sie mir gern Ihre Gedanken zum Gottesdienst oder Ihre Anregungen mit – ich freue mich:
Informationen
Am kommenden Sonntag, 12.07.2026, feiern wir um 10:00 Uhr Gottesdienst mit Prädikant Hans-Joachim Fentz und Darius Sobanski (Orgel).
Heute Nachmittag (05.07.2026) findet um 16:00 Uhr das Sommerkonzert „Rise Up“ unseres Chores GospelStream statt.
Die Küsterei bleibt in der kommenden Woche (06.-10.07.2026) geschlossen.