Geistliche Angebote

Predigt von Pfarrer Dr. Stefan Fritsch

Votum                 Im Namen des Vaters und des Sohnes und des

                              Heiligen Geistes

                              Gemeinde: Amen.

 

Gruß                    Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn

                              Gemeinde: der Himmel und Erde gemacht hat.

                              Der Herr sei mit euch

                              Gemeinde: Der Herr sei mit dir.

 

Lied       EG 168,1 – 3   Du hast Herr gerufen

 

Psalm 68, 4-7, 20-21, 35-36

Die Gerechten aber freuen sich /

und sind fröhlich vor Gott und freuen sich von Herzen.

    Singet Gott, lobsinget seinem Namen! /

    Macht Bahn dem, der auf den Wolken einherfährt;

    er heißt Herr. Freuet euch vor ihm!

Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen

ist Gott in seiner heiligen Wohnung,

    ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, /

    der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe;

    aber die Abtrünnigen bleiben in dürrem Lande.

Gelobt sei der Herr täglich.

Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. SELA.

     Wir haben einen Gott, der da hilft,

    und den Herrn, einen Herrn, der vom Tode errettet.

Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel

und seine Macht in den Wolken.

    Zu fürchten bist du, Gott, in deinem Heiligtum. /

    Er ist Israels Gott. Er wird dem Volk Macht und Kraft geben.

    Gelobt sei Gott!

 

AT Lesung Klagelieder Jeremia 3, 22-25

Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder, so will ich euch heilen von eurem Ungehorsam. »Siehe, wir kommen zu dir; denn du bist der HERR, unser Gott. 23 Wahrlich, es ist ja nichts als Betrug mit den Hügeln und mit dem Lärm auf den Bergen. Wahrlich, es hat Israel keine andere Hilfe als am HERRN, unserm Gott. 24 Der schändliche Baal hat gefressen, was unsere Väter erworben hatten, von unsrer Jugend an, ihre Schafe und Rinder, Söhne und Töchter. 25 So müssen wir uns betten in unsere Schande, und unsre Schmach soll uns bedecken. Denn wir haben gesündigt wider den HERRN, unsern Gott, wir und unsere Väter, von unsrer Jugend an bis auf den heutigen Tag, und haben nicht gehorcht der Stimme des HERRN, unseres Gottes.« 

 

Lied:      EG 347, Ach bleib mit deiner Gnade    

 

Apostolisches Glaubensbekenntnis 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

 

Predigt  2. Timotheus 1, 7-10

7 Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. 8 Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes. 9 Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, 10 jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Liebe Gemeinde,

wir leben in unruhigen Zeiten. Das sagt sich so leicht.

Dennoch, man muss nur die Nachrichten einschalten.

Konflikt um Straße von Hormus, Krieg in Europa, die Handelszölle. Die Sorge, wie weit all das noch eskalieren kann. Und dahinter die verstörende Erfahrung: Der Frieden, an den wir uns über Jahrzehnte gewöhnt hatten, ist offenbar nicht so selbstverständlich, wie wir glaubten.

Politische Unruhe im Land. Der Ton wird rauer. Positionen, die lange am Rand standen, rücken in die Mitte. Viele haben Angst vor einem Rechtsruck. Andere haben Angst, dass ihre Sorgen überhaupt nicht mehr gehört werden. Und nicht wenige in der Politik haben längst entdeckt, dass man mit Angst ziemlich gut Menschen manipulieren kann.

Dazu die wirtschaftlichen Sorgen.

Was wird aus unserem Wohlstand? Was können wir uns künftig noch leisten? Was wird aus den Arbeitsplätzen, den Renten, der Zukunft unserer Kinder?

Und manchmal braucht es gar keine Weltpolitik.

Da genügt das eigene Leben.

Eine Diagnose. Ein Mensch, um den ich mir Sorgen mache.
Die Erfahrung, dass die Kräfte nachlassen.
Die Angst vor Einsamkeit.

Es ist merkwürdig: Wir leben in einem der sichersten und wohlhabendsten Länder dieser Erde – und gleichzeitig scheint über vielem eine latente Angst zu liegen.

Vielleicht lässt sie sich in einem Satz zusammenfassen:

Irgendetwas gerät ins Rutschen.

Und natürlich macht dieses Gefühl vor der Kirche nicht halt.

Auch hier werden die Zahlen kleiner.

Weniger Mitglieder. Weniger Kirchensteuern. Weniger Pfarrerinnen und Pfarrer. Gebäude und Strukturen, die über Jahrzehnte selbstverständlich waren, werden plötzlich infrage gestellt.

Was können wir künftig noch tragen?

Was müssen wir vielleicht loslassen?

Wo müssen Gemeinden enger zusammenrücken?

Und was bleibt dann von dem, was uns vertraut und lieb geworden ist?

Manche dieser Fragen werden offen ausgesprochen. Andere stehen eher unausgesprochen im Raum.

Aber auch unausgesprochene Ängste sind Ängste.

Und mitten hinein hören wir diesen Satz:

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht.“

Das heißt ja nicht: Ein Christ hat keine Angst.

Natürlich haben wir Angst.

Angst ist menschlich. Sie warnt uns vor Gefahren. Sie kann uns davor bewahren, leichtsinnig zu werden.

Gefährlich wird sie an einer anderen Stelle:

wenn wir nicht mehr Angst haben, sondern die Angst uns hat.

Wenn sie unsere Perspektive verengt.

Wenn wir nur noch fragen:

Wie können wir verhindern, dass wir etwas verlieren?

Dann verändert Angst Menschen.

Und sie verändert Gesellschaften. Wir suchen Schuldige.

Die da oben. Die Fremden. Die Politiker. Die Alten. Die Jungen. Die Rechten. Die Linken.

Hauptsache, die Angst bekommt ein Gesicht.

Und dann werden einfache Antworten verführerisch.

Jemand sagt: Ich weiß, wer schuld ist. Ich weiß, wen wir loswerden müssen. Ich weiß, wie wir wieder zurückbekommen, was wir angeblich einmal hatten.

Angst macht die Welt klein.

Und dagegen setzt der Verfasser des Timotheusbriefes drei erstaunliche Worte: Kraft. Liebe. Besonnenheit.

Zuerst: Kraft.

Nicht die Kraft dessen, der sich immer durchsetzt.

Sondern die Kraft, die einen Menschen aufstehen lässt, obwohl er nicht weiß, ob alles gut ausgehen wird.

Christliche Hoffnung bedeutet nicht:

Ich weiß, dass morgen alles besser wird.

Christliche Hoffnung bedeutet:

Auch das Morgen gehört Gott.

Und deshalb muss ich mich nicht verzweifelt an das Gestern klammern.

Das Zweite: Liebe.

Sie ist das stärkste Gegenmittel gegen die Angst.

Denn Angst fragt: Was wird aus mir?

Liebe fragt: Was braucht der andere?

Angst zieht Grenzen. Liebe sieht den Menschen.

Angst sucht Schuldige. Liebe sucht Wege.

Das ist durchaus politisch. So können Sie – bevor Sie Ihre Stimme abgeben – sich fragen: Welche Partei nimmt die, Menschen in den Blick, die gewöhnlich nicht beachtet werden, kümmert sich um Probleme, die wirklich dringend sind.

Und welche Partei schürt Ängste: Wo Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion pauschal zu einer Bedrohung erklärt werden, können Christen nicht einfach mitmachen.

Nicht weil Christen auf jede politische Frage dieselbe Antwort hätten.

Sondern weil der Mensch, der mir begegnet, für mich niemals zuerst ein Problem, eine Zahl oder eine Bedrohung ist.

Er ist ein Mensch.

Ein Ebenbild Gottes.

Und schließlich: Besonnenheit.

Diese brauchen wir gerade am Wahlsonntag besonders dringend.

Besonnenheit heißt nicht: Ach, so schlimm wird es schon nicht werden.

Besonnenheit schaut hin. Sie wägt ab. Sie unterscheidet.

Sie hält auch Widersprüche aus.

Und sie weiß: Ich kann handeln – aber ich kann nicht alles kontrollieren.

Ich kann Verantwortung übernehmen – aber ich bekomme das Leben nicht vollständig in den Griff.

Das gilt für die Politik. Das gilt für mein persönliches Leben.

Und das gilt auch für die Kirche. Wir können Mitgliederzahlen analysieren, Haushaltspläne aufstellen und Gebäude bewerten.

Wir können Strukturen verändern und Gemeinden stärker miteinander verbinden.

Das alles ist notwendig.

Aber die Zukunft der Kirche können wir nicht berechnen.

Vielleicht sollten wir deshalb noch eine andere Frage stellen.

Nicht nur: Was können wir erhalten? 

Sondern: Wozu sind wir eigentlich da?

Was ist unser Auftrag? Wo brauchen Menschen uns?

Wie können wir hier – in JSB und in Johannes - das Evangelium leben?

Wie können wir Gemeinde Jesu Christi sein – vielleicht auch anders, als wir es gewohnt sind?

Das bedeutet nicht, dass wir das Vertraute geringschätzen sollen.

An Kirchen und Gemeindehäusern hängen Erinnerungen.

Hier wurden Kinder getauft. Hier haben Menschen geheiratet.

Hier haben wir Weihnachten und Ostern gefeiert.

Hier haben wir Abschied genommen von Menschen, die zu unserem Leben gehörten.

Darum wäre es lieblos, einfach zu sagen: Ihr müsst eben loslassen.

Manches Loslassen braucht Trauer. 

Aber Trauer und Angst sind nicht dasselbe.

Trauer weiß, was kostbar war.
Angst behauptet, ohne das Verlorene könne es keine Zukunft geben.

Der christliche Glaube erzählt eine andere Geschichte.

Sein zentrales Zeichen ist ausgerechnet das Kreuz.

Ein Zeichen des Verlustes. Des Scheiterns. Des Endes.

Jesus hat seinen Jüngern keine heile Welt versprochen.

Und gerade dort, wo Menschen nur noch ein Ende sehen, erzählt die Bibel von Gottes neuer Wirklichkeit.

Von Ostern. Ostern heißt doch: Gott ist nicht nur dort, wo etwas gelingt. Gott ist auch dort, wo etwas endet.

Und deshalb kann aus einem Ende ein Anfang werden, den wir vorher nicht sehen konnten.

Vielleicht brauchen wir genau dieses Vertrauen auch als Kirche.

Nicht den Glauben: Es wird schon alles bleiben, wie es ist.

Das wäre kein Glaube. Das wäre Nostalgie.

Sondern das Vertrauen: Gottes Zukunft hängt nicht daran, dass unsere Vergangenheit unverändert weitergeht.

Das macht Veränderungen nicht automatisch gut.

Und es beantwortet noch keine einzige praktische Frage.

Aber es verändert die Haltung, mit der wir solche Fragen angehen. Dann müssen wir nicht aus Angst entscheiden.

Dann dürfen wir fragen: Was möchten wir unbedingt bewahren?

Was dürfen wir loslassen?

Was können wir miteinander besser als jede Gemeinde für sich?

Und – vielleicht die ungewöhnlichste Frage:

Wovon träumen wir eigentlich noch als Kirche?

Denn eine Kirche, die nur noch darüber nachdenkt, wie sie ihren eigenen Rückgang verwaltet, hat sich schon ziemlich weit vom Geist der Furcht bestimmen lassen.

Gottes Geist traut seiner Kirche mehr zu. Veränderung. Neuanfang. Reformation. Nicht weil wir besonders mutig wären.

Sondern weil unsere Zukunft letztlich nicht allein in unseren Händen liegt. Das nimmt uns die Verantwortung nicht ab.

Im Gegenteil. Es macht uns frei, Verantwortung zu übernehmen.

Mit Kraft – dem Mut, etwas zu wagen.

Mit Liebe – sodass niemand einfach übergangen wird.

Und mit Besonnenheit – ohne Panik, ohne Schönfärberei und ohne einfache Antworten.

Wir wissen nicht, wie unsere Welt in zehn Jahren aussehen wird.

Wir wissen nicht, wie unsere Kirche in zehn Jahren aussehen wird.

Und wir wissen nicht einmal, was unser eigenes Leben bis dahin mit uns vorhat.

Aber wir wissen, aus welchem Geist wir leben dürfen.

Nicht aus dem Geist, der uns einflüstert:

Hab Angst. Halte fest. Sichere dich ab.
Traue den anderen nicht. Sondern lebe aus dem Geist Gottes.

Dem Geist der Kraft. Der Liebe. Und der Besonnenheit.

Glaube ist genau das: Nicht keine Angst mehr zu haben – sondern der Angst nicht das letzte Wort zu überlassen.

Denn das letzte Wort über unsere Zukunft spricht nicht unsere Furcht.

Das letzte Wort spricht Gott.

Und deshalb dürfen wir dem Morgen entgegengehen.

Nicht sorglos. Aber getrost. Nicht naiv. Aber hoffnungsvoll.

Nicht ohne Angst. Aber frei. Amen.

 

Bekanntmachungen 

Wir laden ein zum Gospel-Gottesdienst am nächsten Sonntag mit Pfr. Oliver Matri und unserem Gospelchor „Gospelstream“ mit Olga Kisseleva. 

Anlässlich der heutigen Wahl findet vor dem Gemeindehaus ein Wahlcafé statt. Herzliche Einladung noch einen Moment bei Suppe oder Kuchen zu verweilen.

Bereits heute laden wir ganz herzlich zu unserem Erntedankgottesdienst mit anschließendem Fest am 04.10.26 ein. Wir freuen uns über Unterstützung an den Ständen oder Kuchen-/Salatspenden (bitte in der Küsterei melden 😊).

Die Kollekten vom letzten Gottesdienst ergaben:

Förderkreis Alte Kirchen e.V.                      137,03 Euro

Liedhefte für Senioren                                    93,70 Euro

Heute sammeln wir für:

Kollekte Innen:  für die Himmlischen Höfe + Freizeit- Rüstzeitenheime der Landeskirche (je ½ ).

Kollekte Außen:  für unser Geburtstagscafé (Besuchsdienst)