Psalm, Lieder, Gebete und Predigt von Pfarrer Oliver Matri

Biblischer Vers für die Woche:
„Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“
1. Johannes 5, 4c
Liebe Leserinnen und Leser,
herzlich willkommen zu dieser Andacht zum 17. Sonntag nach Trinitatis. Ich grüße Sie und Euch mit dem Wochenspruch aus dem 1. Johannesbrief: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“
Das klingt erst einmal ziemlich groß: Glaube als Sieg. Und vielleicht fragen sich manche von uns: Was soll das eigentlich heißen? Was kann Glaube bewirken? Und was bedeutet es überhaupt, zu glauben?
Heute feiern wir eine Taufe in der Bachgemeinde. In der Taufe wird sichtbar und hörbar: Dieses Kind gehört zu Gott. Gott sagt Ja zu ihm – ganz unabhängig davon, was es einmal können wird, was es glauben wird oder wie sein Leben aussehen wird.
Und zugleich ist die Taufe ein Zeichen für uns alle. Denn Glaube ist nichts, was man einfach irgendwann fertig besitzt. Man kann fragen und zweifeln, man kann suchen und sich neu auf den Weg machen. Und vielleicht kann man gerade darin entdecken, was es bedeutet, Gott zu vertrauen.
Lied
Lobe den Herrn, meine Seele (Singt Jubilate 94)
Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und kann deshalb hier leider nicht wiedergegeben werden.
Wir beten mit Worten aus Psalm 138.
Psalm 138, 1-8
Ich danke dir von ganzem Herzen,
vor den Göttern will ich dir lobsingen.
Ich will anbeten zu deinem heiligen Tempel hin
und deinen Namen preisen für deine Güte und Treue;
denn du hast dein Wort herrlich gemacht
um deines Namens willen.
Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich
und gibst meiner Seele große Kraft.
Es danken dir, Herr, alle Könige auf Erden,
dass sie hören das Wort deines Mundes;
sie singen von den Wegen des Herrn,
dass die Herrlichkeit des Herrn so groß ist.
Denn der Herr ist hoch und sieht auf den Niedrigen
und kennt den Stolzen von ferne.
Wenn ich mitten in der Angst wandle,
so erquickst du mich
und reckst deine Hand gegen den Zorn meiner Feinde
und hilfst mir mit deiner Rechten.
Der Herr wird’s vollenden um meinetwillen.
Herr, deine Güte ist ewig.
Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen.
Gebet
Bitten wir Gott um sein Erbarmen.
Gott, unser Vater,
manchmal wissen wir nicht, worauf wir vertrauen können.
Wir sind unsicher, zweifeln und suchen nach Halt.
Manchmal fühlen wir uns allein
und fragen uns, ob du uns überhaupt siehst und hörst.
Wir tragen Sorgen mit uns,
Wir wünschen uns, dass sich etwas verändert,
und wissen doch nicht, wie.
Jesus Christus,
du kennst unsere Fragen und unsere Zweifel.
Du kennst unsere Hoffnung und unsere Angst.
Nimm uns an, wie wir sind,
und komm uns nahe mit deiner Barmherzigkeit.
Gott, erbarme dich.
Amen.
Gnadenzuspruch
Im Psalm 145 heißt es: „Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen.“
(Psalm 145, 18)
Gott hört, wenn wir zu ihm rufen.
Er kennt unsere Fragen und unsere Sehnsucht.
Er wendet sich uns zu und schenkt uns seine Nähe.
Darum dürfen wir darauf vertrauen: Gottes Gnade gilt uns.
Seine Liebe hält uns fest – heute und an jedem neuen Tag.
Gebet
Gott,
du kennst uns besser, als wir uns selbst kennen.
Du weißt, was uns beschäftigt,
was uns Angst macht und was wir uns wünschen.
Manches verstehen wir, manches bleibt uns fremd.
Manches können wir glauben, anderes fällt uns schwer.
Schenke uns heute offene Ohren und offene Herzen.
Lass uns hören, was du uns sagen willst.
Und schenke uns den Mut, dir zu begegnen –
mit unseren Fragen, mit unseren Zweifeln und mit dem, was wir von dir erhoffen.
Sei du mitten unter uns
und begleite uns durch diese Andacht.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft, jetzt und in Ewigkeit.
Amen.
Evangelium
Matthäus 15, 21–28
Und Jesus ging weg von dort und entwich in die Gegend von Tyrus und Sidon. Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach, Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. Er aber antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. Sie sprach: Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.
Predigt
1. Hinführung
Kennen Sie das, kennt Ihr das: Wenn jemand so richtig hartnäckig ist, so richtig penetrant? Manche Menschen, die auf der Straße um Geld betteln, tun das so. Oder manche Firmen, die einem etwas verkaufen wollen und einen immer wieder mit E-Mails bombardieren oder anrufen.
Die kanaanäische Frau, von der wir heute im Evangelium hören, war wohl auch so: hartnäckig, sie ließ nicht locker, schrie hinter Jesus und seinen Jüngern her. Und die Reaktion der Jünger Jesu ist mal wieder herrlich menschlich – ich kann mich sofort damit identifizieren: „Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.“ Heute würde man sagen: „Schick sie weg, bitte, sie geht uns auf die Nerven!!“
Allerdings hat sie auch einen guten Grund, nicht locker zu lassen: Ihre Tochter, lesen wir, wird „von einem bösen Geist übel geplagt“. Und schlagfertig ist sie auch noch: Jesus weist sie schroff ab, sehr schroff, weil sie keine Jüdin ist. „Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.“ Was kann man darauf antworten? Aber sie hat eine Antwort: „Ja, Herr; aber doch essen die Hunde von den Brosamen (den Krümeln), die vom Tisch ihrer Herren fallen.“
Schlagfertig fand ich das immer. Aber beim genaueren Lesen merke ich: Darum geht es eigentlich gar nicht. Die ganze Episode läuft nämlich nicht auf den cleveren Spruch der Frau hinaus, auch wenn der wichtig ist. Alles läuft hin auf das, was Jesus dann sagt: „Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst.“
Dein Glaube ist groß: Es geht also um den Glauben. Im Griechischen steht da das Wort „pistis“.
2. Glaube (pistis) – was ist das eigentlich?
Wenn im Neuen Testament von „pistis“, also von Glauben, die Rede ist, geht es nicht nur darum, bestimmte Glaubenssätze für wahr zu halten. Glaube meint oft mehr: Vertrauen, sich auf jemanden verlassen, sein Leben auf jemanden ausrichten. Glaube ist also nicht nur: Ich glaube, dass es einen Gott gibt. Sondern auch: Ich vertraue Gott. Ich verlasse mich auf ihn. Ich wage es, mein Leben mit ihm zu leben.
Und genau diese Seite des Glaubens wird in der Geschichte von der kanaanäischen Frau besonders deutlich. Am besten lässt sich „pistis“ hier deshalb übersetzen mit „Vertrauen“. Die Frau vertraut Jesus. Sie vertraut darauf, dass er etwas bewirken kann. Dass er Macht und Autorität hat – auch in ihrem Leben. Deshalb redet sie ihn immer wieder mit „Herr“ an. Und sie vertraut, dass er Heil bringt – das meint die Anrede als „Sohn Davids“. Sie vertraut ihm auch noch, als er sie erst ignoriert und dann schroff zurückweist.
Denn sie vertraut, dass der Gott des Volkes Israel so gut ist, dass sogar – bildlich gesprochen – die „Krümel“ von seinem Tisch ausreichen, um ihre Tochter gesund zu machen.
3. Und nun? Folgen für unsere Lebenspraxis
Also: Glaube nicht nur als Glaube a n e t w a s, sondern vor allem auch als Vertrauen a u f j e m a n d e n. Aber wenn Glaube Vertrauen ist: Was bedeutet das dann für unser Leben? Woran merkt man, dass jemand wirklich vertraut? Und was heißt das für unseren Glauben? Dazu möchte ich drei kurze Beispiele aus dem Neuen Testament anschauen.
Da ist zum Beispiel der Hauptmann von Kapernaum (Mt 8), der zu Jesus geht und sagt: „Sprich nur ein Wort, und mein Diener wird gesund werden.“ Und er erläutert das damit, dass seine Soldaten ja auch seine Befehle ausführen. Es geht also um Autorität und Gehorsam. Mit diesen Worten haben viele Menschen Schwierigkeiten – aus gutem Grund. Aber Gehorsam kommt von „Hören“ – nämlich „auf jemanden hören“. Insofern gehört – richtig verstandener – Gehorsam m.E. zum Glauben dazu: Wenn ich jemandem vertraue, dann möchte ich normalerweise auch auf diese Person hören. Vertrauen und Hören.
Im zweiten Beispiel, aus dem Jakobusbrief (Jk 2), geht es um die Verbindung zwischen Glauben und Handeln – den „Werken“. Glaube, so schreibt Jakobus, muss sich auch im konkreten Verhalten äußern, sonst ist er nicht real sondern tot. Man könnte auch sagen: Wenn ich jemandem wirklich vertraue, dann hat dieses Vertrauen Folgen. Wie in einer Freundschaft (und manche antike Schriftsteller beschreiben pistis als Freundschaft): Wenn ich nur sage, dass ich mit jemandem befreundet bin, aber ich verhalte mich nicht entsprechend – was ist diese Freundschaft wert?
Glaube als Hören auf Gott, Glaube als Handeln – und jetzt noch ein drittes Beispiel – das Johannesevangelium. Da sagt Jesus zu Nikodemus (Joh 3), dass, wer an ihn glaubt, nicht gerichtet wird und das ewige Leben hat. Und als er seinen Freund Lazarus von den Toten auferweckt, sagt Jesus zu dessen Schwester: „Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“ (Joh 11, 40).
4. Zusammenfassung: Gotteskindschaft
So lässt es sich vielleicht zusammenfassen: Glaube setzt uns in ein Verhältnis, eine Beziehung des Vertrauens, der Freundschaft, aber auch des Hörens und des Gehorsams.
Paulus beschreibt es als Kindschaft: „Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen!“ (Gal 3, 26-27)
Damit sind wir wieder beim Thema Taufe: Ein Kind ist heute auf Christus getauft worden. Seine Eltern haben gesagt: Ja, sie ist Gottes Kind. Und das steht uns allen offen, durch den Glauben als Kinder Gottes zu leben! Dafür brauchen wir keine perfekten Menschen zu sein, auch keine besonders frommen Menschen – wenn uns die Kanaanäerin aus dem Evangelium eines zeigt, dann das: Jede und jeder kann auf Jesus vertrauen, und er nimmt uns an.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen.
Lied
Such, wer da will, ein ander Ziel (Ev. Gesangbuch 346, 1-3)
1) Such, wer da will, ein ander Ziel,
die Seligkeit zu finden;
mein Herz allein bedacht soll sein,
auf Christus sich zu gründen.
Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,
sein heilger Mund hat Kraft und Grund,
all Feind zu überwinden.
2) Such, wer da will, Nothelfer viel,
die uns doch nichts erworben;
hier ist der Mann, der helfen kann,
bei dem nie was verdorben.
Uns wird das Heil durch ihn zuteil,
uns macht gerecht der treue Knecht,
der für uns ist gestorben.
3) Ach sucht doch den, lasst alles stehn,
die ihr das Heil begehret;
er ist der Herr, und keiner mehr,
der euch das Heil gewähret.
Sucht ihn all Stund von Herzensgrund,
sucht ihn allein; denn wohl wird sein
dem, der ihn herzlich ehret.
Fürbittengebet
Guter Gott,
wir bitten dich für alle Menschen, die in Sorge leben,
für Menschen, die krank sind, Angst haben oder keinen Ausweg sehen.
Schenke ihnen Menschen, die zu ihnen halten,
und lass sie erfahren, dass sie nicht allein sind.
Wir bitten dich für alle, die nach dir suchen,
für Menschen, die glauben möchten und doch zweifeln,
für Jugendliche und Erwachsene, die nicht wissen,
was sie glauben und worauf sie vertrauen können.
Schenke ihnen Geduld, offene Herzen
und Menschen, mit denen sie ihre Fragen teilen können.
Wir bitten dich für das Kind, das heute getauft worden ist.
Begleite es auf seinem Lebensweg
und lass es Menschen finden, die ihm Liebe, Halt und Vertrauen schenken.
Segne seine Eltern und alle, die für es da sind.
Und lass es immer wieder erfahren,
dass es dein Kind ist und von dir getragen wird.
In einem Moment der Stille bringen wir eigene Fürbitten vor dich:
Alles, was uns sonst noch bewegt,
legen wir in die Worte, die Jesus uns gelehrt hat:
Vater Unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Lied
Wir strecken uns nach dir (Singt Jubilate 123)
Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und kann deshalb hier leider nicht wiedergegeben werden.
Segen
Gott segne Dich und er behüte Dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir Frieden. Amen.
Mit herzlichen Grüßen, Pfarrer Oliver Matri
Teilen Sie mir gern Ihre Gedanken zum Gottesdienst oder Ihre Anregungen mit – ich freue mich:
Informationen
Am nächsten Freitag, 02.10.2026, laden wir sie herzlich ein zum Abendgottesdienst Church@Night mit Pfarrer Oliver Matri und Team. Beginn ist um 20:00 Uhr.
Am nächsten Sonntag, 04.10.2026, feiern wir um 10:00 Uhr Gottesdienst mit Abendmahl und Erntedankfest mit Pfarrer Oliver Matri und Sabine Erdmann an der Orgel und Jochen Schneider (Fagott).