Andacht, Lieder, Fürbitten von Prädikant Hajo Fentz

Er hilft uns frei aus aller Not
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
am vergangenen Samstag jährte sich zum 509 Mal der Thesenanschlag Martin Luthers. Augustinermönch war er und Professor der freien Künste und der Heiligen Theologie an der Universität zu Wittenberg. Eines wollte Martin Luther ganz gewiss nicht: eine neue, eine evangelische, eine protestantische Kirche gründen.
Beim diesjährigen Reformationsgedenken greifen die 4 Lichterfelder Gemeinden eine Idee von Ulrike Klehmet, der Pfarrerin der Johannes-Gemeinde auf. Sie fragt nach vier wesentlichen Punkten der Reformation. Erstens: Was bin ich wert? Zweitens: Wofür stehe ich ein? Drittens: Was kann ich bewegen? Und viertens: Wem kann ich glauben? Wahrheit, Vertrauen und Zweifel.
Diesen Punkt nehme ich mir heute vor. Doch erwarten sie nicht allzu viel Kluges oder Erhellendes von mir. Bei mir ist es nämlich viel eher so, dass ich mit meinem grenzenlosen Glauben an das Gute im Menschen immer mal wieder scheitere. Zum Glück nicht so oft, dafür momentan aber besonders heftig: Ich bin krachend daran gescheitert, Wahrheit von Lügengeschichten zu unterscheiden, habe den falschen Menschen vertraut und heraufziehende Zweifel einfach weggedrückt. Wem kann ich glauben?
Ein feste Burg ist unser Gott: Natürlich erklingt heute die Hymne der Reformation. Text und Melodie stammen von Martin Luther, dem es zur Zeit der Entstehung des Chorals gar nicht gut ging: Er selbst war ständig krank, einer seiner drei Söhne hatte die Pest. Die Reformation lief nicht so, wie Luther sich das wünschte, und sogar von seinen Mitstreitern bekam er kräftig Gegenwind. Und dennoch: Gott „hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.“ Die Strophen lehnen sich an Psalm 46, den wir im Anschluss beten.
Lied
Ein feste Burg ist unser Gott (EG 362, 1-3)
https://www.youtube.com/watch?v=h6YwKYAo2r8&list=RDh6YwKYAo2r8&start_radio=1
1) Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind,
mit Ernst er's jetzt meint,
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.
2) Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit' für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein andrer Gott;
das Feld muss er behalten.
3) Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie saur er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht':
ein Wörtlein kann ihn fällen.
Psalm 46
Gott ist unsere Zuversicht, ein bewährter Helfer in aller Not.
Darum haben wir keine Angst, auch wenn die Erde bebt und die Berge ins Meer versinken,
wenn die Fluten toben und tosen und die Berge davon erzittern:
Der Herr der Welt ist bei uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz!
Frisches Wasser strömt durch die Gottesstadt, in der die heilige Wohnung des Höchsten ist.
Gott selbst ist in ihren Mauern, nichts kann sie erschüttern.
Er bringt ihr Hilfe, bevor der Morgen graut.
Er lässt seine Stimme hören – und die Völker zittern, Königsthrone wanken,
die ganze Erde vergeht vor Angst.
Der Herr der Welt ist bei uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz!
Kommt und seht, wie mächtig der Herr ist, wie er Furcht und Schrecken auf der Erde verbreite.
Er macht dem Krieg ein Ende in aller Welt; die Bogen zerbricht er, die Spieße zerschlägt er,
die Schilde verbrennt er.
„Macht Frieden!“ ruft er. „Erkennt, dass ich Gott bin! Ich habe Macht über die Völker der Erde.“
Der Herr der Welt ist bei uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz!
Gebet
Wir lesen die Seligpreisungen Jesu aus der Bergpredigt. Sie stehen bei Matthäus im Kapitel 5.
Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg und setzte sich. Seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie, was Gott jetzt von seinem Volk verlangt. Er sagte:
„Selig sind, die nur noch von Gott etwas erwarten – mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt.
Selig sind, die unter dieser heillosen Welt leiden – Gott wird ihrem Leid ein Ende machen.
Selig sind, die unterdrückt sind und trotzdem auf Gewalt verzichten – Gott wird ihnen die Erde zum Besitz geben.
Freuen dürfen sich alle, die danach hungern und dürsten, dass sich auf der Erde Gottes gerechter Wille durchsetzt – Gott wird ihren Hunger und Durst stillen.
Freuen dürfen sich alle, die barmherzig sind – Gott wird auch mit ihnen barmherzig sein.
Selig sind alle, die im Herzen rein sind – sie werden Gott sehen.
Selig sind, die Frieden stiften – Gott wird sie als seine Söhne und Töchter annehmen.
Selig sind die, die verfolgt werden, weil sie tun, was Gott will – mit Gott werden sie leben in seiner neuen Welt.
Selig seid ihr, wenn sie euch beschimpfen und verfolgen und verleumden, weil ihr zu mir gehört.
Freut euch und jubelt, denn bei Gott erwartet euch reicher Lohn.“
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Glaubensbekenntnis
mit dem Lied: Wir glauben Gott im höchsten Thron (EG 184)
https://www.youtube.com/watch?v=tjXuU9GOqNI
Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und kann deshalb hier leider nicht wiedergegeben werden.
Gedanken zum Reformationsfest
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Armen.
Vor 509 Jahren fand er statt: der Thesenanschlag Martin Luthers. Er ist das Resultat eines langen Ringens Luthers mit einer Frage, die sogar uns heute völlig irrelevant erscheint, die jedoch Martin Luther, genau wie den allermeisten Menschen der damaligen Zeit panisch unter den Nägeln brennt und die deren gesamten Alltag bestimmt: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Wie gelingt es mir, bei Gott zu bleiben im Leben und im Sterben?
Die erlösende und befreiende Antwort findet Luther im Brief des Paulus an die Christen in Rom. Im ersten Kapitel, im Vers 17, schreibt er:
„Durch das Evangelium zeigt Gott, wie er ist: er sorgt dafür, dass unsere Schuld vergeben wird und wir mit ihm Gemeinschaft haben können. Dies geschieht, wenn wir uns allein auf das verlassen, was Gott für uns getan hat. So heißt es schon in der Heiligen Schrift: Der wird Gottes Anerkennung finden und leben, der ihm vertraut.“
Es streit' für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Die damals gängige Antwort seiner katholischen Kirche kennt Luther natürlich auch: Um es Gott Recht zu machen, gibt es für uns Glaubende nur einen Weg: den Weg der Bestrafung. Ab ins Fegefeuer, runter in die Hölle.
Hieronymus Bosch, holländischer Maler und Zeitgenosse Luthers, malt Ende des 14. Jahrhunderts sein berühmtes Triptychon „Im Garten der Lüste“. Auf dessen rechter Tafel zeichnet Bosch – wie in einem Wimmelbild – düster und detailreich nach, wie man sich die Höllenqualen und Foltermethoden, die uns erwarten, damals so vorstellt. Sie finden das gesamte Triptychon und diese Tafel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Garten_der_L%C3%BCste_(Bosch). Wenn sie genauer hingucken, werden sie erkennen, dass viele Folterwerkzeuge Musikinstrumente sind, denn weltliche Musik gilt damals als sündhaft und jugendgefährdend. Daher hat das Bild auch den Beinamen „die musikalische Hölle“.
Ab ins Fegefeuer, runter in die musikalische Hölle. Die katholische Kirche hat aber für ihre Schäfchen noch eine andere, eine smartere und wesentlich einträglichere Lösung im Portfolio: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“ Geld gegen Hölle. Viel Geld gegen viel Hölle.
Dieses Geschäftsmodell ist für die Kirche gleich doppelt lukrativ: Sie entscheidet nach wie vor, wer Zugang zu Gott hat. Und zusätzlich wird sie durch den stetig fließenden Geldstrom in die Lage versetzt, den Petersdom, das sichtbare Symbol katholischen Machtanspruchs, weiterzubauen und dauerhaft zu finanzieren.
Und so stehen die Gläubigen Schlange, als der Ablassprediger Johann Tetzel eines Tages auch nach Wittenberg kommt. Martin Luther ist empört, erkennt er doch im Ablasshandel genau das, was er tatsächlich ist: der sichtbare Ausdruck des Machtmissbrauchs einer moralisch verkommenen Institution.
Jetzt reicht's. Das Maß ist voll!
Und so nagelt Luther vor 509 Jahren seine 95 Thesen in lateinischer Sprache an die Eingangstür der Wittenberger Schlosskirche. Die Kirchentür ist damals der Schaukasten der Gemeinde und wird daher auch von denen wahrgenommen, an die seine Thesen eigentlich gerichtet sind: an seine Kollegen an der Uni. Im Vorwort schreibt er:
„Aus Liebe zur Wahrheit und im Verlangen, sie zu erhellen, sollen die folgenden Thesen in Wittenberg disputiert werden unter dem Vorsitz des ehrwürdigen Pater Martin Luther, Magister der freien Künste und der heiligen Theologie, dort auch ordentlicher Professor der Theologie. Daher bittet er jene, die nicht anwesend sein können, um mit uns mündlich zu debattieren, dies in Abwesenheit schriftlich zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Amen.“
In den 95 Thesen legt Luther die Grundlagen seiner theologischen Überzeugungen dar. Im Wesentlichen sind das:
Sola fide, allein durch den Glauben: das gesamte Leben eines Christenmenschen soll von Umkehr und Neuanfang geprägt sein.
Sola gratia, allein durch die Gnade: Vergebung lässt sich nicht kaufen. Wer dagegen aufrichtige Reue zeigt und Werke der Barmherzigkeit tut, der bekommt – ohne jeden Ablassbrief und allein durch Gottes Gnade – vollkommenen Straferlass und Schuldvergebung.
Sola scriptura, allein durch die Schrift: der wahre Schatz der Kirche ist nicht das Geld. Der wahre Schatz ist das Heilige Evangelium von der Gnade Gottes.
Die 95 Thesen treffen den Nerv der Zeit. Luthers Hoffnungsbotschaft von der Gnade Gottes wird ins Deutsche übersetzt und verbreitet sich in Windeseile bis in die entlegensten Winkel des Heiligen römischen Reiches. Möglich wird das durch Johann Gutenbergs gleichzeitige Erfindung des Buchdruckes, und Luthers Gedanken, seine Schriften und Lieder erreichen dadurch eine damals unvorstellbar hohe Auflage, wobei 80% der gesamten damaligen Veröffentlichungen aus der Feder Luthers und seiner Mitstreiter stammen.
Diese geballte Sprengkraft tut ihre Wirkung und schlägt ein wie Kanonenhagel. Was von Martin Luther ursprünglich gedacht war als Anstoß zur Reformierung der römischen Kirche, führt jetzt zu deren Spaltung in eine Katholische Kirche und viele protestantische, reformierte, evangelische Kirchen. Und letztendlich zur politischen Spaltung Deutschlands und Europas.
Soweit das kirchengeschichtliche Proseminar.
Sie merken, liebe Gemeinde: Ich drücke mich – bisher erfolgreich – vor meiner Aufgabe vom Beginn des Gottesdienstes, nämlich der Beschäftigung mit dem vierten Wesenskern der Reformation: Wem kann ich glauben? Wahrheit, Vertrauen und Zweifel.
Also ein neuer Versuch!
Mir ist nämlich mein Konfirmationsspruch in den Sinn gekommen. Er steht hinten auf diesem Kreuz, das ich zu meiner Konfirmation am 24. März 1974 geschenkt bekam: Psalm 118, Vers 8:
Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen und nicht sich auf Menschen verlassen.
Johannes Foltz, Pfarrer an der Hambacher Paulus-Kirche in Neustadt an der Weinstraße hat ihn für mich ausgesucht. Ich fand diesen Psalmvers bisher eigentlich ziemlich doof, und besonders prickelnd finde ich ihn auch heute nicht, obwohl ich langsam eine Ahnung davon bekomme, was er mir sagen kann.
Übrigens: Im Zentrum des Konfirmationskreuzes steht das Abendmahl, das wir ja gleich gemeinsam feiern werden. In meiner pfälzischen Landeskirche wurde es richtig stiefmütterlich behandelt: Abendmahl gab´s nur zweimal im Jahr und dann auch nur im Anschluss an den Gottesdienst.
Pfarrer Foltz war die Unscheinbarkeit in Person. Selbst meine Recherche im Internet ergab keinen einzigen Treffer zu seiner Person. Seine Gottesdienste boten einem 15-jährigen Konfirmanden in gut pfälzischer Tradition nur liturgische Kargheit und reformierte Wortlastigkeit. Und sein Konfirmandenunterricht war genauso: die geballte Langeweile.
Doch bald lernte ich Pfarrer Foltz sehr zu schätzen. Denn ihm verdanke ich nicht nur meinen Konfirmationsspruch. Er hat, bewusst oder unbewusst, direkt und indirekt entscheidenden Einfluss auf mein Leben gehabt. Durch seine Initiative bekam die Pauluskirche einen charismatischen CVJM-Jugendsekretär, dem es gelang, aus mir, dem völlig introvertierten Stubenhocker, ungeahnte Potentiale herauszukitzeln, und der aus mir einen Jugendlichen machte, der plötzlich schauspielerte und sang, der Kindergottesdienst machte und später zwei Jugendgruppen leitete, der gerne – als Teilnehmer oder Teamer – in die weite Welt verreiste – nach Heidelberg, ins Elsass, nach Kanada. Der in der Paulus-Gemeinde Heimat und Freunde fand, und der bereits im zart blühenden Alter von 16 Jahren seinen verdutzten Eltern mitteilte, dass er in vier Jahren mit dem Theologiestudium anfange, um Pfarrer zu werden.
Als Johannes Foltz davon Wind bekam, schlug er mir vor, dass wir beide gemeinsam einen Gottesdienst halten: er mache die Liturgie (wie gesagt: in der Pfalz gibt es so gut wie keine), ich die Predigt. Und er vertraute mir so sehr, dass er sie vorher gar nicht durchlesen wollte. So stieg ich mit 17 Jahren zum ersten Mal die Stufen zur unendlich hohen Kanzel empor, zitternd vor Aufregung und Ergriffenheit. Doch der Zweittalar von Pfarrer Foltz verbarg das alles gnädig unter sich.
Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen und nicht sich auf Menschen verlassen.
Der Exkurs zu Pfarrer Foltz und die Wiederentdeckung meines Konfirmationsspruches berühren mich auf ganz unterschiedliche Weise:
Es ist gut, auf Gott zu vertrauen – na klar, volle Zustimmung. Verbunden mit der Hoffnung, dass das auch in Zukunft so bleibt.
Es ist aber nicht gut, sich auf Menschen zu verlassen. Nein: heftiger Protest! Wer schreibt so etwas bloß und warum? Seit 52 Jahren glaube ich nicht, dass dieser Halbsatz richtig ist, und das wird sich gewiss auch in meinen letzten Lebensjahren nicht ändern! Ohne Vertrauen ist Mensch-Sein doch gar nicht möglich.
Obwohl: Sie erinnern sich noch an meine Worte aus der Begrüßung: von meinen Scheitern, Wahrheit von Lügengeschichten zu unterscheiden, von meinem Vertrauen in die falschen Menschen, und von meinem Unvermögen, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen!
Was um alles in der Welt, fragen sie und frage ich mich übrigens auch, bringt einen gestandenen Mann dazu, einen Mann, der langsam auf die 70 zugeht, der eigentlich noch ganz klar im Kopf und eher bedächtig ist, sich auf Menschen einzulassen, die ihm so gar nicht guttun, und die ihm – teilweise sogar mit krimineller Energie – immer wieder und über längere Zeit großen Schaden zufügen? Ich habe vage, allerdings nicht sehr schmeichelhafte Vermutungen, was zu diesem geführt hat und die ich besser für mich behalte.
Liebe Gemeinde,
sich auf andere verlassen, Vertrauen schenken und Vertrauensvorschuss gewähren: das ist auch ohne Ausnahmezustand im ganz normalen Leben bereits eine risikoreiche Angelegenheit, und die meisten von uns sind daran bestimmt schon gescheitert. Doch Mensch-Sein geht doch gar nicht anders. Zum Vertrauen gibt es doch keine Alternative, oder? Wenn Sie eine kennen, so lassen Sie es mich bitte wissen. Oder lassen Sie mich wenigstens wissen, wie es Ihnen gelingt, richtig von falsch zu unterscheiden.
Er hilft uns frei aus aller Not:
Wenn ich es nicht schon früher gelernt habe, liebe Gemeinde, dann lerne ich es jetzt im Ruhestands-Intensivtraining:
Erstens: Es ist gut, auf Gott zu vertrauen.
Zweitens: Einfach ist es im Augenblick nicht, Gott zu vertrauen.
Drittens: Fehler sind dazu da, gemacht zu werden – doch vor Fehlern, die die Existenz und die Zukunft bedrohen, sollte ich mich in Acht nehmen: vorher nachdenken ist nie verkehrt.
Viertens: Es ist gut, sich auf die allermeisten Menschen verlassen zu können.
Diese wertvolle – allerdings sehr teuer erkaufte – Erfahrung mache ich gerade.
Ich spüre die Wärme und die Zuneigung vieler guter Menschen um mich herum, die mich – vielleicht mit einem inneren Kopfschütteln – weiterhin respektieren und schätzen und gernhaben, und die mich nicht mit Vorwürfen oder gut gemeinten Ratschlägen überhäufen.
Es sind Christen, es ist die Gemeinschaft der Heiligen, die es sich ganz selbstverständlich und ohne zu zögern zur momentanen Aufgabe gemacht hat, mich in meiner Lebenskrise zu begleiten und zu unterstützen und herauszuhelfen: Sie beten für mich, sie beraten mich und überlegen Auswege, sie helfen ganz konkret mit dem, was nötig ist.
Und: Es sind Christinnen und Christen hier aus Johann-Sebastian-Bach, die Ausweglosigkeit nicht akzeptieren, die mich stattdessen umarmen und mir Mut machen, und die mir zusprechen: „Sei gewiss, wir sind gerne für dich da!"
Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
Fürbittengebet
Du bist unsere Zuversicht, Gott, sei uns Hilfe und Schutz.
Wir bitten dich: Zerbrich den Bogen der Kriegsherren.
Nimm ihnen ihre Waffen ab und hole ihre Drohnen vom Himmel.
Schütze die Bedrohten und befreie die Verschleppten.
Sei Hilfe in der Not. Behüte alle, die zu dir gehören.
Schreibe den Mut in unsere Herzen und nimm uns die Angst.
Heile die Kranken, rette die Verzweifelten und tröste die Trauernden.
Wohne in unserer Mitte. Versöhne die Streitenden und gib uns Einheit und Frieden.
Sprich laut durch dein Wort.
Sei unsere feste Burg und an unserer Seite in den Tagen, die kommen.
Du begleitest deine Kirche, die schwach und doch stark ist,
die zweifelt und doch verlässlich handelt,
die sich fürchtet und doch gerettet ist.
Gott, wir bringen die Menschen vor dich, um deren Leid wir persönlich wissen.
Wir nennen dir ihre Namen.
Gott, du bist unsere Zuversicht und Stärke durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Er ist unsere Zukunft und unsere Hoffnung – heute, morgen und in Ewigkeit.
Amen.
Wir sind Kinder Gottes. Deshalb dürfen wir beten, wie Jesus es uns gelehrt hast:
Vater Unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Lied
Geh unter der Gnade (SJ 65)
https://www.youtube.com/watch?v=Znk8s9qAKhE&list=RDZnk8s9qAKhE&start_radio=1
Der Text dieses Liedes ist urheberrechtlich geschützt und kann deshalb hier leider nicht wiedergegeben werden.
Wir leben unser Leben unter der Gnade Gottes. Und wir wissen: Wir sind von ihm gesegnet.
Segen
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.
Amen.
Eine gute Woche wünscht Ihnen Hajo Fentz
Informationen
Den Gottesdienst am nächsten Sonntag, 08.11.2026, 10:00 Uhr, hält Pfarrerin Schöne. Sabine Erdmann spielt an der Orgel.
Am übernächsten Sonntag, 15. November, laden wir im Anschluss an den Gottesdienst zu einer Gemeindeversammlung ein. Es geht um den gemeinsamen Weg in die Zukunft mit der Johannes-Gemeinde. Bitte kommen Sie zahlreich und beraten mit.
Eine ganz herzliche Einladung ergeht auch zum Gedenkkonzert am Montag, 9. November um 18:00 Uhr. Die jüdische Kantorin Aviv Weinberg und Albrecht Gündel-vom Hofe mit seinem Ensemble singen und spielen Lieder nach Versen von Selma Merbaum.
Kollektensammlung
Die heutige Kollekte sammeln wir für Krankenseelsorge im Kirchenkreis und für die Gottesdienstgestaltung.
Spendenkonto: Ev. Kirchenkreisverband Berlin Süd-West
IBAN: DE34 5206 0410 1803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Kennwort: Kollekte 01.11.2026 (und gewünschter Verwendungszweck)
Wir leiten Ihre Kollekte ggf. weiter! Gern senden wir auch eine Spendenbescheinigung zu.